Bakery Jatta – Mensch

19.01.2020 Basel St.Jakob Park Schweiz Fussball Herren Saison 2019/2020 Testspiel FC Basel - Hamburger SV .Im Bild : Ja
Quelle: imago images/Geisser

Eins vorweg. Es könnte möglich sein, dass die Emotionalität die Objektivität trübt, dennoch ist das Thema Jatta mir persönlich zu wichtig, als dass ich es hier ungeschrieben lasse. Die Hetzjagd, ja ich bin soweit sie als solches zu bezeichnen, fing am 9. August 2019 an. Damals berichtete die SportBild, dass es sich bei dem Hamburger Fußballprofi Bakery Jatta in Wahrheit um Bakery Daffeh handle. Bis heute ist diese Wahrheit nicht bestätigt. Anschließend legten der 1. FC Nürnberg, Karlsruher SC und Vfl Bochum Protest gegen die Spielwertung ein. Erfolglos. Rechercheteams wurden nach Gambia – Jattas Heimat – gesandt, um dort nach Beweisen zu suchen. So fand man dort tatsächlich einen Spieler namens Bakery Daffeh, doch ein ehemaliger Trainer identifizierte Jatta als eben jenen Jatta. Bis in den vergangen Sommer ebbte die Thematik ab, ehe es eine Hausdurchsuchung bei ihm gab und erneut nichts gefunden werden konnte. Nun scheint das Fass überzulaufen und die biologische Anthropologie der Universität Freiburg wurde eingeschalten. Dort bearbeitet man meist Mord und Totschlag, nun anscheinend auch noch Bewegungsabläufe zweier Menschen, die scheinbar die gleiche Person sein sollen.

Vorweg: Falls der Mann, den man als Bakery Jatta kennen, bei den Behörden gelogen haben sollte, als er nach seiner Einreise seine Personalien angab, dann ist die Aufklärung dieses Vorgangs und die Sanktionierung dieses Fehlverhaltens richtig. Doch bisher ist nichts bewiesen und solange gilt die Unschuldsvermutung. Selbst wenn er gelogen hat und sein Alter herabstufte, so ist dies verständlich und menschlich. In Deutschland vergisst man sehr häufig wie gut es einem hierzulande geht, wie flüssig das System läuft und sämtliche Kritik ein Meckern auf fulminant hohen Niveau ist. Bakery Jatta wuchs nicht in einem solchen System auf und floh mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach Deutschland. Wenn man dann hört, dass man als minderjähriger erhöhte Chancen hat in diesem Land, für das man fast alles aufs Spiel gesetzt hat, zu bleiben, wer würde da nicht ins Grübeln kommen, wer würde nicht mit aller Macht versuchen hier zu bleiben. Vielleicht sollten Springer-Verlag-Journalisten daran denken, bevor sie beginnen einen Menschen zu diffamieren, der als Paradebeispiel für Integration gilt, sich bisher nichts zu schulden kommen lies und für sämtliche Programme eine ideale Werbefigur sein könnte. Leider aber tickt Deutschland nicht so, man nehme das Beispiel Mesut Özil: 2014 lagen ihm Millionen Menschen zu Füßen, keine vier Jahre später stilisiert man ihn zum Staatsfeind (ich möchte hier kein neues Fass aufmachen und ein Bild mit Erdogan ist nicht unbedingt von Nöten, doch es ist seine Entscheidung gewesen, ähnlich wie es seine Entscheidung war für den DFB zu spielen und mit Kanzlerin Merkel auf Bildern zu lächeln).

Jatta sieht sich nun einer ähnlichen, wenn nicht ganz so großen Kampagne ausgesetzt. Einer Schmutzkampagne, wie sie nur der Springer-Verlag führen kann und die in der heutigen Welt fehl am Platz ist. Statt an die Vernunft der Bürger zu appellieren, den Zusammenhalt einfordern, um Probleme wie am gestrigen Mittwoch in Washington zu vermeiden, stürzt man sich auf einen fast schon wehrlosen Flüchtling, der als Musterbeispiel für geglückte Integration dient. Ein Mensch, der sich in Deutschland wohlfühlt und in den Augen vieler mit seiner Tätigkeit als Fußballprofi einen Mehrwert für die Gesellschaft darstellt. Ein Mensch, der Deutsch lernt, seine Steuern zahlt und sich mit der Stadt Hamburg wohlfühlt. Ein Mensch, der stets bodenständig auftritt und nichts mit der viel kritisierten Protz-Attitüde einiger Profis am Hut hat. Ein Mensch, mit dem sich viele identifizieren können, der Flüchtlingen aufzeigt, dass man eine Zukunft in diesem Land haben kann. Es geht um den Menschen Bakery. Dieser wird aktuell einem Martyrium ausgesetzt, das unmenschlich ist. Menschenunwürdig. Warum? Weil sich ein Magazin zu früh zu weit vorgewagt hat, mit einer Geschichte, die unbewiesen war – und bis heute nicht bewiesen ist, das nun mit aller Macht versucht diese Geschichte wahr zu machen. Dabei geht die Menschlichkeit verloren. Menschlichkeit, die heute wichtiger denn je wäre.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: