The beautiful mind 2.0

Everyone Is Going Through Something
Quelle: Players Tribune

Being depressed is exhausting. That’s one of the cruelest ironies about mental health. When you’re in a dark place, everyone around you — all your friends and family — they just want to see you doing what you love again, being happy, being “the old you.”  Sometimes it feels like the world is looking at you saying things like, “Come on, man, just get over it. Don’t think like that. Just move on.”

Mit diesen Zeilen eröffnete Kevin Love im September 2020 seinen Artikel im Players Tribune, der sich einmal mehr mit dem Thema „mental health“ beschäftigt und dazu ermutigt, mit diesem Thema offen umzugehen. Denn dieses Thema ist vielschichtig und mehr als nur „Kopf hoch, es wird schon wieder“. Es fängt damit an, dass man in der heutigen Welt den Anschein erwecken muss, das perfekte Leben zu leben. Social Media hat uns dazu getrimmt. In einer perfekten Welt ist aber kein Platz, für so vermeintliche Kleinigkeiten wie Depressionen oder Panikattacken. Speziell bei Männern führte die gewisse „Erziehung“ zum testosterongeladenen, niemals schwach wirkenden Bild, dass es einem erschwert offen mit diesem Thema umzugehen. Denn, wer selbst diese Art von Zustand nicht kennt, wird ihn als schwach abtun, da man Depressionen nicht erkennen kann, man sieht keine Verletzung und neigt dazu, es als etwas nicht offensichtliches, also nichts schmerzhaftes abzustempeln. Das ist einer der Gründe, warum man Betroffenen Sachen sagt, wie „wird alles wieder, sei doch einfach der alte, frohe Mensch, den wir kennen“. Außenstehende verstehen oftmals nicht, dass es in Momenten der mentalen Destabilisation alle Kraft und Lebenswillen verlangt, um überhaupt zu existieren. 2020 war für die Welt ein beschissenes Jahr, viele Menschen haben ihren Job, ihre Ersparnisse oder geliebte Angehörige verloren. Viele Menschen fielen also in ein metaphorisches Loch, davon stelle ich keine Ausnahme dar. Ich selbst bin ab und an noch in einem Loch gefangen, aus dem man an manchen Tagen nicht mehr heraus kommt. Seit 13 Monaten, werde auch ich immer wieder in dieses Loch geworfen, egal wie viel man dagegen unternimmt, manche Tage sind einfach in ihrer Schlichtheit brutal. An manchen Tagen wache ich auf und habe bereits eine innere Stimme im Kopf, die mir immer und immer wieder sagt, dass heute ein furchtbarer Tag wird, das Ganze mündet in einer Spirale, die im schlimmsten Fall dazu führte, dass ich mich regungslos auf dem Boden liegend wiederfand, ohne jegliche Motivation für den Tag, für anstehende Aufgaben und generell ohne die Kraft dafür aufbringen zu können, sich aufzuraffen und in den Tag zu gehen. „Leon, sei wieder der fröhliche Junge, den wir sonst kennen.“ Was ich nicht verstehe, was viele nicht verstehen ist, dass ich immer noch genau die gleiche Person bin, dass dieses „alte Ich“ mein normales Ich ist, lediglich ein Ich, dass Gedanken ausblendet. Gedanken ausblenden ist ein gutes Stichwort. An Tagen mit einem klaren Ziel vor Augen, Aufgaben zu erledigen und genügend Abwechslung, Sozialkontakten und, und, und, ist es wesentlich leichter diese Gedanken in einer Schublade im Gehirn abzusperren und hoffen, dass sie dort so schnell keinen Weg heraus finden. Man unternimmt alles, um die Gedanken auszublenden, denn diese Gedanken können sich störend auf einen selbst auswirken. Man muss sich komplett und durchgehend beschäftigen. Im ersten Lockdown ab Mitte März, merkte ich wie die Gedanken immer wieder die Überhand ergriffen und ich entschloss OlajuwonsErben zu gründen. Das Schreiben lenkte mich ab und die Aufnahmen mit meinen Kollegen, boten so etwas wie sozialen Kontakt. Doch Schreiben und Reden funktioniert nicht an jedem Tag, Entwürfe werden abgetan und es sind Tage, an denen man keine Leistung zeigt, die einem suggerieren, dass man als Person nicht Erfolg haben wird. Generell ist Erfolgsdruck bei mir persönlich ein Thema, man wächst in einem Haushalt mit erfolgreichen Eltern auf und bekommt gezeigt, was möglich ist, welche Wege es gibt und generell die bestmöglichen Rahmenbedingungen. Trotzdem führte es bei mir dazu, dass ich mir selbst Druck machte und oftmals an diesem Druck scheiterte. In den letzten Wochen fing ich an, dieses Thema als Part von mir zu akzeptieren und öffnete mich erstmals Menschen in meinem Kreis. Reaktionen wie „wieso schreibst du dann, wenn es dich stresst?“ verunsichern einen darin, dass diese Menschen das Thema nicht verstanden haben. Denn ich mache dies, weil es mir große Freude bereitet und in den meisten Fällen dazu führt, dass ich mich ablenken kann, doch in den wenigen Momenten, in denen es nicht funktioniert, kommt direkt das Gefühl hoch, dass einem suggeriert, sich in der eigenen Haut nicht wohlzufühlen. Trotzdem erachte ich es als richtigen Schritt, mich nun Stück für Stück zu öffnen, denn mir kommt es vor, als helfe mir der zeitliche Abstand zu gewissen Tagen, dass ich darüber leichter sprechen kann. Trotzdem ist das Thema damit nicht abgehandelt. Der Lockdown oder das Leben alleine, führten immer wieder dazu, dass es Tage gab, in denen es nur Dunkelheit um einen herum gibt. In diesen Tagen ist man alleine mit sich und seinen Gedanken, Gedanken die einem eintrichtern wollen, dass man nicht gut genug ist und zum Scheitern vorverurteilt wurde, die einen skeptisch machen und im schlimmsten Fall zu einer Isolation führen. Manch einer wird das nicht verstehen, denn auf den ersten Blick fehlt es mir an nichts, keinerlei Sorgen oder dergleichen, ich selbst würde gerne wissen, warum dem so ist, doch ich weiß es leider nicht, ich weiß nur wie ich es eindämmen kann und dass ich mit diesem Thema offen umgehen möchte. Zu lange habe ich eine Fassade aufgebaut, die eine schöne neue Welt zeigte, die Frage nach meinem Ergehen, wurde häufig mit Lügen beantwortet, denn ich wollte niemanden mit dem Thema belasten, wenn ich nur daran dachte mich zu öffnen, überkam mich ein gewisses Schamgefühl, denn es kann doch nicht sein, dass man an so etwas so leiden kann, wie an der psychischen Gesundheit. Keiner sollte meine Schwäche sehen, was dazu führte, dass ich mich entweder selbst isolierte oder eine manchmal schon überbordende Freude an den Tag legte, damit niemand Verdacht schöpfen konnte. Doch diese Fassaden sind äußerst schwer konstant aufrecht zu erhalten und erfordern Unmengen an Energie, die sich negativ auf den eigenen Körper auswirken. Kein normaler 20-jähriger bekommt eine Gürtelrose, ich tat dies aber, aus dem Stress, der entsteht, wenn man dauernd eine Rolle spielt und nicht wirklich man selbst ist, obwohl man es doch eigentlich ist? Es ist eine Spirale. Heute aber, möchte ich dies nicht mehr tun, versuche mit dem Thema offen umzugehen und habe es engen Freunden erzählt, um deren Reaktion abzuwarten, ehe ich mich entschloss es „öffentlich“ zu machen. Jedem, dem es ähnlich geht, such dir Hilfe, denn ich weiß aus meinem heutigen Standpunkt, dass es keine Schande ist, dass die Stereotypen oftmals genau solche sind und man Menschen wichtig ist, die man damit nicht belastet, sondern die einem liebend gerne helfen wollen, die einem zuhören und einen nicht verurteilen. Denn diese Thematik ist heute womöglich aktueller denn je und sollte nicht mehr als schwach abgestempelt werden, jeder Mensch macht Dinge durch, manche weniger, manche mehr, bei manchen führt es zu Depressionen oder dergleichen, doch heute sollte keiner mehr daran zu Grunde gehen müssen. Ja, es wird Tage geben, an denen ich wieder in der unsäglichen Dunkelheit sitze, doch ich weiß, dass es Menschen gibt, die ein wenig Helligkeit in diese Dunkelheit bringen und dieses Wissen ist unschätzbar viel wert.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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