Der Sportplatz als politische Bühne

2020 ist geprägt von Covid-19, Donald Trump und Rassismus. Nach dem Tod von George Floyd mobilisierten sich weltweit Menschen, um gegen die Missstände zu protestieren. Die NBA setzte ein starkes Zeichen und lieferte den eigenen Spielern eine Plattform, Marcus Thuram, Lewis Hamilton und nun auch Demba Ba sensibilisieren Fans weltweit für diese Thematik. Die UEFA sendete leider ein verheerendes Signal.

Während der Champions League Partie zwischen Paris SG und Basaksehir Istanbul kommt es zu einer Rudelbildung. Auslöser war die Aussage des 4. Offiziellen, der den Assistenztrainer Pierre Webó als „Negru“ beschrieben hat. Anschließend folgt eine Diskussion zwischen Demba Ba und dem Schiedsrichter. Ba versucht diesem zu erklären, dass er das Wort „Negru“ nicht benutzen dürfte. Anschließend wird das Spiel abgebrochen und es entstand eine hitzige Debatte in den sozialen Medien. Ist es okay eine Minderheit via Hautfarbe zu klassifizieren und zu beschreiben? Nein sagt Solo Martinet, denn Definition über Farbe ist Rassismus. Warum es an der Zeit für einen Diskurs zur Bekämpfung von Rassismus ist und man nicht darüber diskutieren sollte, was Rassismus ist und was nicht. Warum die UEFA falsch gehandelt hat, sich bei Ba aber trotzdem bedanken kann und wieso viele im Jahr 2020 immer noch nicht verstehen, warum dieser Aufschrei gerechtfertigt ist. Denn wer nie systematischem Rassismus ausgesetzt war, versteht diesen Diskussionen nicht, sollte sie aber verstehen. Solo Martinet klärt gewohnt nüchtern und sachlich auf und versucht zu vermitteln, warum das Wort „schwarz“ als Definition Rassismus ist.

#saynotoracism trendete am späten Dienstagabend auf Twitter. Es entstand eine Diskussion darüber, ob Demba Ba nun als Held gelte oder das Thema einfach nur übertrieben dargestellt wird. Viele versuchten sich in der Argumentation zu retten, dass es doch vollkommen normal sei einen Schwarzen so zu betiteln, da es zu einer eindeutigeren Identifikation führt. Diese Menschen haben im gesamten Jahr 2020 leider nichts dazugelernt, denn wer einen Menschen (überwiegend Minderheiten) über die Hautfarbe definiert, äußert sich rassistisch. Für Weiße scheint dies nicht schlimm zu klingen, da sie seltenst (systematischen) Rassismus erfahren haben und somit die Gemengelage nicht nachvollziehen können. Generell zeigt diese Diskussion auf und neben dem Platz auf, dass die Leute immer noch über die Definition von Rassismus sprechen, anstatt diesen zu bekämpfen. Denn was bringt diese Definition? Soll sie einem Legitimation geben, dass man ein bisschen rassistisch sein darf? Es sollte nicht heißen wann und wo fängt Rassismus an, sondern was kann ich dazu beitragen, dass dieses menschliche Scheusal ein für allemal ausgemerzt werden kann. Ein Anfang dafür wäre, dass man Minderheiten nicht über ihr vermeintliches Alleinstellungsmerkmal beschreibt.

Auch das inkonsequente Verhalten der UEFA, die lange versuchte das Spiel wieder zum Laufen zu bekommen, zeigt, dass Geld nach wie vor über Werte geht . Seit Jahren präsentiert sie prominente Gesichter, die dafür werben nein zu Rassismus zu sagen. Die UEFA verpasste nun eine Chance den eigenen Worten Taten folgen zu lassen. Sie zeigte, dass die Beendigung des Spiels wichtiger als die Botschaft ist und kann sich nun im Nachhinein trotzdem als Verband stilisieren, der zu seinen Werten steht.

Erschreckend aber ist, dass sich dieses Thema wie ein roter Faden durch die letzten 100 Jahre zieht. Jesse Owens, Jackie Robinson, die Olympischen Spiele in Mexiko , Muhammad Ali und zuletzt George Floyd, BLM und die Politisierung der NBA. Nun also auch auf internationaler Bühne im Fußball. Zwar sind die Gewaltandrohungen dem Schiedsrichter gegenüber falsch, doch die Wirkung eines solchen Signals dürfte nicht so schnell vergessen werden, dem sollte sich jeder bewusst werden. Fortan dürften Menschen erst überlegen, ob sie sich zu einer solchen Wortwahl hinreißen lassen wollen, oder es eben auf anderen, besseren Wegen klären. Es sollte aber nicht mehr die Debatte entfachen wann Rassismus anfängt, sondern vielmehr sollte nach nachhaltigen Lösungswegen gefahndet werden.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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