Mozart des Basketballs – Drazen Petrovic

Netsi su mu u čast vratili garnituru dresova iz '90-ih: Dražen Petrović bi  danas slavio 56. rođendan | Pametnima dosta
Quelle: NBA

Als sich das kroatische Nationalteam am 7. Juni 1993 von Drazen Petrovic verabschiedeten, wussten sie noch nicht, dass sie ihn zum letzten Mal gesehen haben sollten. Soeben hatte man in Polen ein EM-Qulaifikationsspiel bestritten und das Team nahm das Flugzeug zurück nach Zagreb. Petrovic aber entschied sich mit dem Auto zu fahren. Er wollte selbst nicht fahren, sondern schlief lieber, als seine Freundin im Starkregen in einen LKW hineinfährt. Sie überlebt, während Petrovic, nicht angeschnallt, durch die Windschutzscheibe fliegt und im Alter von 28 Jahren verstirbt.

Ein Sprung ins Jahr 2019. Erstmals ist ein nicht amerikanisches Team Meister geworden, der amtierende MVP kommt aus Griechenland, der MIP aus Kamerun, der Rookie des Jahres ist Slowene und der Defensive Player of the Year Franzose. Die NBA ist spätestens jetzt international. Vor knapp 30 Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass einmal über 100 nicht-Amerikaner, aus 42 verschiedenen Ländern in der Liga spielen.

Manch einer wird an Nowitzki, die Gasol-Brüder, Ginobili oder auch Tony Parker denken, doch rückblickend war es ein anderer, der den sogenannten „Internationals“ die Tür öffnete und den Sprung über den großen Teich wagte. Ein Mann, der die europäische Bühne auf eine nie dagewesene Art und Weise dominierte und in einem schwierigen Basketball Zeitalter zum Superstar heranreifte, bevor er auf tragische Weise sein Leben verlor.

Petrovic kommt am 22. Oktober 1964 im heutigen Kroatien zur Welt und beginnt extrem früh mit dem Basketball. Mit 15 Jahren bereits, debütiert er in der ersten Mannschaft seines Heimatvereins in Sibenik. Seine steile Entwicklung verwundert keinen. Denn in seinem Leben gibt es nur Basketball. Fernando Romay (Mitspieler bei Real Madrid) beschrieb ihn einst so: „Er dachte nur an Basketball. Wir, seine Mitspieler dachten auch an Basketball. Aber auch an Autos, Frauen und andere Sachen. Aber er dachte nur an Basketball.“

Seine Arbeitsweise erinnert ein wenig an Kobe Bryant. Früh morgens steht er auf, und beginnt zu trainieren. Oftmals stellt er einfach Stühle auf, die seine Gegenspieler simulieren sollen.

Mit 20 Jahren schließt er sich Cibona Zagreb an. In seinem ersten Jahr, kann der Club bereits das Triple gewinnen (Meisterschaft, Pokal, Euroleague). Das ganze sollte sich aber nur als der Beginn des Siegeszuges herausstellen. Im Jahr darauf wird es verteidigt. In vier Jahren gewinnt Petrovic in Zagreb alles, was man auf Klubebene gewinnen kann. Vielmehr als die Titel aber beeindruckten Petrovics Zahlen. 37,7 PPS in der jugoslawischen Liga und 33,8 in allen europäischen Wettbewerben. Eine kleine Auswahl: 51 Punkte, 10 Assists; 45Punkte, 25 Assists und die wohl beeindruckendste Statline: 112 Punkte, 40/60FG, 10/20 3FG, 22/22 FT. Schnell war klar, dieser Junge ist nicht nur besonders, sondern auch unterfordert in Europa. 1986 hatten ihn die Portland Trail Blazers bereits gedraftet, doch Petrovic entschied sich erst nach Madrid zu gehen. Ein Jahr hält es ihn dort und zwei Titel später, war klar, dass ihn in Europa keine Liga fordern könnte. So wagte er 1989 den Sprung nach Portland.

Doch der Mozart des Basketballs, stößt hier erstmals auf Probleme. Europäer galten zu der Zeit als soft und auch die Blazers wussten nicht, wie sie das Potential ihres Shooting Guards ausnutzen konnten. So wurde er meist nur als Spot-Up-Shooter eingesetzt.

Zu allem Überfluss waren mit Terry Porter und Clyde Drexler die besten Spieler des Teams auf seinen angestammten Positionen. Das alles resultierte in gerade einmal 12,6 MIN Spielzeit. Seine Frustration stieg noch weiter an, als mit Danny Ainge ein weiterer SG im Jahr darauf verpflichtet wurde. Seine Minuten sanken auf 7,4 pro Spiel und erstmals hatte Petrovic so etwas wie eine deprimierenden Phase in seiner bis hierhin so makellosen Karriere.

Im Laufe dieser zweiten verkorksten Saison, wird er zu den New Jersey Nets getradet. Für ihn ein Befreiungsschlag und für die Nets ein riesiger Coup. Denn in knapp 20 Minuten legt er 12,6 PPS auf und zeigt, welches Potential in ihm steckt. Angeführt von „Petro“ erreichten die Nets erstmals nach sechs Jahren wieder die Playoffs. In der Postseason legt er 20,6 PPS auf, trotzdem kann er das Erstrundenaus nicht verhindern.

Im Jahr darauf steigert er sich nochmals, ist mit 22,3 PPS der elft beste Scorer und mit 44,4% 3FG einer der ersten Dreierspezialisten.

1993 wird er als erster Europäer überhaupt in ein All-NBA-Team (3rd) gewählt. Spätestens jetzt zeigte sich, dass er der erste ausländische Franchise-Player ist, der nicht in den USA ausgebildet wurde (Olajuwon beispielsweise spielte am College in Houston). Ein Novum für die NBA. Ein Novum, das jedoch Schule machen sollte.

International war er allem weiterhin über jedem Zweifel erhaben. Kroatien war nach den USA das beste Team und so gewann er drei olympische Medaillen (2x Silber, 1x Bronze) und gewann je eine Welt- und Europameisterschaft. Sein Ehrgeiz war gar so unbändig, dass er sogar zu Qualifikationsturnieren flog, wie jenem 1993 in Polen, dass schließlich sein letztes sein sollte.

Was er noch alles erreichen hätte können, bleibt unbeantwortet. Mit 28 Jahren kam er gerade erst ins beste Basketballalter. 2002 wurde er in die Hall of Fame aufgenommen und die Nets vergeben seine Nummer nicht mehr. Außerdem zählt er zu den 50 wichtigsten Basketballern aller Zeiten, da er es war, der Nowitzki und Co. die Tür zur NBA und zur endgültigen Globalisierung maßgeblich beitrug.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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