Markelle Fultz – Zurück zum alten Ich

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 30. April 2020 verfasst.

Quelle: cbssports.com

Markelle Fultz galt als kommender All-Star, Franchiseplayer, Mysterium und gescheitert. Für einen Profi, der gerade einmal 21 Jahre alt ist und erst 97 Spiele bestritten hat, ist dies eine relativ facettenreiche Beschreibung seiner Karriere. Warum Fultz als so umstritten gilt, ist relativ leicht zu verstehen. Fultz war ein College Phänomen, die 76ers tradeten im Draft extra zwei Positionen hoch, um ihn sich zu holen (Celtics holten mit dem dritten Pick Jayson Tatum). Fultz machte in seinen ersten beiden Jahren insgesamt 33 Spiele, nie mehr als 19 pro Saison. Eine mysteriöse Schulterverletzung hatte seinen Wurfrhythmus gänzlich zerstört. Trotzdem legte er in seiner ersten Saison ein Triple-Double auf und ist damit der jüngste Spieler, dem dies gelang. Fultz wurde in seinem zweiten Jahr für Jonathan Simmons und zwei Zweitrundenpicks nach Orlando getradet und trotzdem galten die 76ers als Gewinner dieses Deals. Ein Spieler der vor einem Jahr noch als Messias galt, war am Boden des harten NBA Zirkus angekommen. Er war nicht einmal mehr wert, als ein Rollenspieler, der eher am hinteren Ende der Rotation ist und zwei lächerliche Picks in der zweiten Runde.
Kurzum gesagt Markelle Fultz hat in nicht einmal 2 Jahren die höchsten Höhen und die tiefsten Abgründe erfahren, die einem als Megatalent in den USA widerfährt. Doch wie kam es zu dieser turbulenten Karriere?
Markelle N’Gai Fultz kam am 29. Mai 1998 in Maryland zur Welt. Fultz wuchs ohne Vater auf, jedoch hatte er, anders als viele andere Profis nie mit ärgster Armut zu kämpfen. Da er auf eine reine Jungen Highschool ging, lag der Fokus primär auf dem Basketball, doch da er als Sophomore für zu klein (1,75m) erachtet wurde, sortierte man ihn aus. Aufgrund eines Wachstumsschubs (1,91m) kam er als Junior wieder ins Team und überzeugte sofort. So wurde er in Washington zum besten High-School gewählt und wusste als Allrounder zu glänzen. In der 2016er College Rekrutierungsklasse wurde er an Nummer 7 im gesamten Land gerankt und konnte sich so sein College aussuchen. Internationale Aufmerksamkeit bekam er erstmals bei der FIBA U18 Weltmeisterschaft, bei der er Team USA zu Gold führte und MVP des Turniers wurde. Er entschied sich für die Washington Huskies, da zu dem Zeitpunkt mit Dejounte Murray und Marquise Chriss zwei Toptalente bereits dort waren. Da sich beide aber zum Draft anmeldeten, hatte Fultz kaum nennenswerte Teammates und so überraschte es wenig, dass die Huskies eine enttäuschende Saison spielten (9-22). Obwohl sein Team schlecht abschnitt, wurde Fultz in den höchsten Tönen gelobt, denn mit 23,2 PPS legte er einen höheren Punkteschnitt, als jeder andere Collegesportler der letzten 20 Jahre in der PAC-12 Division auf. Zusätzlich verteilte er 5,9 Assists pro Spiel, holte 5,7 Rebounds und sorgte für ordentlich defensive Stopps (1,6 Steals, 1,2 Blocks). Folgerichtig wurde er ins PAC-12 All First Team und All American 3rd Team berufen. Experten waren sich einig, dass Fultz der künftige Nummer 1 Pick sei. Die 76ers, die ihn auswählten, hofften mit ihm ihr finales Puzzlestück gefunden zu haben, um den „Process“ zu beenden und erstmals seit 2012 wieder die Playoffs zu erreichen.
Neben Ben Simmons und Joel Embiid, sollte er sich zum Star entwickeln. Manch ein Fan geriet schon in Nostalgie, da der letzte Nummer-1-Pick mit ähnlichen Veranlagungen ein gewisser Allen Iverson war. Während Iverson jedoch als „the answer“ galt, schmiss Fultz nach kurzer Zeit bereits etliche Fragen auf. Nach zwei Spielen entschieden sich die 76ers, ihn auf die Verletztenliste zu setzen, da Fultz an einem Schultermuskulatur Missverhältnis leide und man sich davon erst ein Bild machen müsse. In Folge dessen entfachte eine Diskussion, ob es Fultz physisch wirklich schwer falle einen vernünftigen Wurf auszuüben, oder es an seiner psychischen Verfassung liegen könnte. Am 26. März 2018 machte er erst sein drittes NBA Spiel, nachdem er zuvor mit externen Coaches eine neue Wurfbewegung einstudiert hatte. Obwohl man ihm ansah, dass er sich nicht vollends wohl fühlte mit seinem Wurf, so legte er in gerade einmal 14 Minuten 10 Punkte und 8 Assits auf. Am 11. April, reichte es erstmals zu einem Triple Double von der Bank kommend in nicht einmal 25 Minuten Spielzeit. Das Talent, dass man Fultz prophezeite, blitzte immer wieder auf.
Zu Beginn der 2018-2019 Season wurde er zum Starter berufen, doch mit der Ankunft Jimmy Butlers war dies schnell wieder Geschichte. Auch weil Fultz enttäuschte und weiterhin unter seiner Schulter zu leiden hatte. So verwunderte es nicht, als sein Berater am 20.11 verkündete, dass Fultz nicht mehr am Training oder Spielen Philadelphias teilnehmen würde, ehe seine Schulter vollends evaluiert wäre. Am 7. Februar 2019 zogen die 76ers die Reißleine und schickten Fultz nach Orlando, die in ihm einen Spieler mit unglaublich Potential sahen und zu dem Preis, wurde er für die Magic zu einem No-Brainer. Da man in Orlando in naher Zukunft keinen großartigen Playoffrun (0-4 gegen die Bucks) sah, entschied man sich, dass Fultz die Saison aussetzten solle, um zur nächsten endgültig fit zu sein. Auch für Orlando eine wichtige Entscheidung, da sich diese seit Jahren auf der Suche nach einem vernünftigem Point Guard befinden und in Fultz erstmals einen Spielertyp haben, der zumindest von der Veranlagung dieses Problem beheben kann.
Für die meisten Experten war jedoch klar. Markelle Fultz reiht sich in eine lange Reihe von Busts ein. Selbst als er solide in die Saison startete. Erst gegen die Brooklyn Nets blitzte wieder das Talent auf, dass er am College bewies. 25 Punkte, 5 Rebounds, 4 Assists und 2 Steals bei einer 55-%igen Feldwurfquote. Manch einer erwartete diese Leistung fortan dauerhaft, doch dafür ist Fultz noch nicht bereit. Viel wichtiger war, dass er endlich in der Normalität der NBA angekommen ist. Einer Normalität, in der man nicht wöchentlich über seinen Gesundheitszustand spekuliert oder jeden Spielzug bis ins kleinste seziert. Persönliches Highlight dieses Spiels gegen Brooklyn, war ein 15:1-Run der Magic, bei dem Fultz die letzten sieben Punkte markierte und somit sein Team zum Sieg führte.
Mit 12,3 Punkten, 5,2 Assists und 3,3 Rebounds reisst er zwar keine Bäume aus, doch es ist ein erster positiver Schritt in die richtige Richtung. Ob er eines Tages wieder einen vernünftigen Wurf besitzen wird, ist fraglich. Seine einst größte Stärke (40% Dreier am College, bei 5 Versuchen) ist immer noch nicht da, doch die Wurfbewegung sieht besser aus und seine Freiwurfquote (72,3%) macht Hoffnung auf mehr.In Orlando hat er zudem eine Umgebung, in der er sich in Ruhe entwickeln kann. Und wer weiß, er ist immer noch erst 21 Jahre alt, Steigerungspotential sollte noch reichlich vorhanden sein, zudem hat er noch keine 100 Spiele in der NBA gemacht. Und eine Entwicklung geht nur über Spiele.So haben ihn für den Moment zwar Spieler wie Tatum, Fox, Jackson, Mitchell oder Adebayo überholt, doch es scheint nicht abwegig zu sein, dass Fultz in dieser Liste eines Tages nicht ebenbürtig genannt werden könnte. So oder so hat er den Stempel des Busts abgelegt und die Achterbahnfahrt wurde somit erstmal gestoppt. Wer weiß was bei diesem Jungen aus Maryland noch alles möglich ist. Vielleicht kehrt er ja zum alten Ich zurück. Es ist ihm zu wünschen

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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