Daryl Morey – Der Taschenspieler

Daryl Morey left with Russell Westbrook.
BY DAVID J. PHILLIP/A.P. IMAGES.

Im Mai 2019 hatten sowohl die Houston Rockets, als auch die Philadelphia 76ers eine recht ähnliche Ausgangslage. Beide verloren knapp gegen spätere Finalteilnehmer, beide sahen trotzdem ihre Titelchancen als hoch an, um in der kommenden Saison einen weiteren Run zu starten. Die Parallelen ziehen sich auch durch die kommende Offseason und die komplette Saison 2019/2020. Philly verliert in Jimmy Butler den vielleicht eminent wichtigsten Spieler im Team und Houston muss sich wegen Querelen innerhalb des Teams von Chris Paul trennen, der zwar immer wieder verletzt war und auch nicht mehr auf dem Zenit seines Schaffens stand, trotzdem aber für die Kultur und den Erfolg der Rockets ähnlich wichtig wie ein gewisser James Harden zu sein schien. Butler und Paul schickten sich daraufhin an eine Franchise auf den Kopf zu stellen und in nicht erträumte Sphären zu führen. Philadelphia und Houston versuchten den Verlust mit Starpower und hochdotierten Verträgen aufzufangen, ohne jedoch primär an die Spielkultur oder -philosophie zu denken. Houston tat dies in Form von Russell Westbrook, Philly bezahlte Al Horford. Im Anschluss spielten beide Franchises eine enttäuschende Saison, genauer eine enttäuschende Bubble. Die Celtics machte kurzen Prozess mit den 76ers und Houston wurde von den Lakers aufgezeigt, wie weit sie tatsächlich von der Spitze der Liga entfernt sind.

Im Anschluss mussten sich beide Teams die Sinnfrage stellen. Beide hatten überteuerte Kader, die anscheinend nicht gut genug für einen Titel sind, beziehungsweise vorne und hinten nicht zusammen zu passen schienen. Tilman Fertitta, der allseits beliebte und stets sympathische Owner der Houston Rockets, schien unzufrieden mit der Arbeit Moreys zu sein und setzte diesen nach 13 Jahren, angeblich einvernehmlich, vor die Tür.

Morey kündigte an sich ein sogenanntes Sabbatical nehmen zu wollen, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Kurz darauf heuerte er bei den 76ers an und bewies zum einen, dass ihm das einwöchige Sabbatical tatsächlich gut getan zu haben schien und er zum anderen immer noch der GM mit dem goldenen Händchen ist. Innerhalb kürzester Zeit rankten sich Gerüchte, dass er seinen Zögling Harden versuchen könnte in die Stadt der brüderlichen Liebe zu lotsen. Zwar ist diese Spur nach wie vor extrem heiß, doch er schaffte etwas, wofür ihm manche Sixers Fans schon heute ein Denkmal bauen würden. Innerhalb eines Abends schaffte er es den Vertrag von Al Horford und weniger 3-and-mehr-D Josh Richardson in Richtung Western Conference zu verschiffen. Das Ganze nicht etwa zu ungünstigen Konditionen für die 76ers, nein gleichzeitig verstärkte er das Team und holte Spieler, die vor allem Ben Simmons und Joel Embiid helfen sollen ihre Stärken noch mehr zum Vorschein bringen zu lassen.

Al Horford wird fortan für die Oklahoma City Thunder auf Korbjagd gehen. Im Gegenzug erhielt man Danny „wo ist mein Wurf“ Green und Terrance Ferguson. OKC bekam zudem die Rechte an Vasilije Vicic, den 34. Pick 2020 und einen Firstround Pick 2025. Speziell von Green erhofft man sich, dass er seinen Wurf wiederfindet und die hinterlassene defensive Lücke von Richardson stopft. Des weiteren hat Green seit 2018 sein drittes Team und jedes Mal wurden seine Teams Meister. Doch Morey war noch nicht fertig. Tyler Bey (36. Pick) und Josh RIchardson wurden umgehend nach Dallas geschickt und im Gegenzug erhielt man Seth Curry, einen der sichersten Schützen der Liga und dringend benötigte Playmaking Skills neben Ben Simmons. Letzteres ging auch mit Jimmy Butler 2019.

Morey hat es innerhalb kürzester Zeit geschafft das Team wieder in den Kreis der Contender zu bringen, bekam mit Curry einen überdurchschnittlichen Rollenspieler, der zudem noch drei Jahre zu guten Modalitäten unter Vertrag steht. Für Horford musste er ein wenig Zuzahlung leisten, doch im Rahmen war die vollkommen legitim. Während die Rockets nach seinem Abgang einem Rebuild bevorstehen, hat Morey es einmal mehr der gesamten Liga gezeigt und innerhalb kürzester Zeit sein Team nach seinen Vorstellungen geformt und wichtiger noch, konkurrenzfähig gemacht.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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