James Harden – The Day I Became A Basketball Fan

James Harden
Quelle: https://www.essentiallysports.com/nba-news-best-player-in-the-league-houston-rockets-guard-believes-james-harden-is-the-key-to-a-championship-orlando-bubble-basketball/

Es war ein einfacher Dunk im August 2012, der mein zwölfjähriges Ich zum Fan machte. Dieser Bärtige Mann stieg hoch und stopfte das orangefarbene Leder durch die Reuse. Ich kann mich nicht mehr erinnern, gegen wen Team USA damals spielte, doch sie befanden sich auf dem Weg zu einer weiteren Goldmedaille.

Ich hatte bereits früher Kontaktpunkte zu diesem speziellen Sport, so schmiss ich vor dem Haus auf eine Laternenmarkierung, zu dem Zeitpunkt aber noch als Kobe, da ich sonst niemanden kannte. 2012 aber war es so weit, langsam aber sicher faszinierte mich der Sport, nach und nach interessierte ich mich immer mehr dafür. Mein Blick wanderte dabei stets nach Houston, wo dieser bärtige Mann fortan spielte.

James Hardens Dunk machte mich sowohl zum Rockets, als auch Basketball Fan. Nun also soll er fortgehen wollen? Aus Fan Sicht ist das extrem schwer nachzuvollziehen, auch wenn es Sinn ergibt. Die Rockets haben sich festgefahren und nachdem der Mastermind Daryl Morey das sinkende Schiff bereits verließ, wird Harden es ihm wohl bald gleich tun. Es ist also an der Zeit einen Blick zurückzuwerfen, auf den größten Rocket seit einem gewissen Hakeem Olajuwon.

Mit Hardens Ankunft, packte er die Rockets nach und nach auf die Landkarte. Sowohl er, als auch die Franchise entwickelten sich seitdem kontinuierlich. 2014 scheiterte man unglücklich an den Trail Blazers in Runde 1, da Lillard andeutete welche Killergene in ihm stecken. In der darauffolgenden Saison präsentierte man sich noch stärker, Harden spielte sich erstmals in die MVP-Diskussion und ich selbst, war davon überzeugt, dass er ihn gewinnen würde. Vielleicht war es mein jugendlicher Leichtsinn, oder die Tatsache, dass ich mich fast ausschließlich mit den Kings und Rockets beschäftigte, doch als Curry den Award gewann, entwickelte ich die in Houston allgemein bekannte Einstellung, dass man dieses Team und deren Spieler benachteiligt. In den Playoffs vergaß ich das aber schnell, in Runde 1 beendete man Nowitzkis Playoffkarriere und auch die Clippers konnten eine 3-1 Serienführung nicht über die Zeit retten, da Josh Smith und Jason Terry in Game 5 einen schier nicht einholbaren Rückstand wett machten (Clippers 2020, ihr wart nicht die Ersten). Zum Zeitpunkt der Conference Finals, war ich damals in den USA und entwickelte eine Ablehnung gegen die Warriors. Zu eng waren die Spiele, zu verzweifelt war ich als Fan.

Im darauffolgenden Jahr schien die Tür zum Titel bereits wieder zu. Golden State dominierte und spielte eine Saison für die Ewigkeit, Houston rettete sich irgendwie in die Playoffs, doch es wirkte so, als wäre dieses Team kaputt. Als Dwight Howard daraufhin gehen musste, waren die Rockets endgültig Hardens Team. Jahr für Jahr spielte er brillant, schulterte das Team offensiv und war dann, wie in den Playoffs 2017, ausgelaugt und man verlor gegen die Spurs. Der Spott war dort immer besonders groß. Fans diskutierten, welchen Wert Harden wirklich hat. Daryl Morey aber legte immer die schützende Hand über ihn und versuchte mit allen Mitteln das Team besser zu machen. Im Sommer 2017 schien es, als würde es endlich so weit sein. Chris Paul heuerte in Houston an und die Euphorie kehrte zurück. Keiner rechnete damit, dass irgendjemand nebst den Warriors eine Chance auf den Titel hat. Houston aber glaubte daran. 65 Siege fuhr Harden ein, wurde verdient MVP und es schien alles zu funktionieren. In die Conference Finals stürmte man ohne große Gegenwehr. Dort schaffte man etwas, was keinem Team je gegen die KD-Steph-Klay-Warriors gelang. Man stellte sie vor ernsthafte Probleme und erzwang ein Spiel 7. Lange sah es gut aus, doch allein die Zahl 27 schmerzt jeden Rockets Fan noch heute. 27 verworfene Dreier in der zweiten Halbzeit, in einem Game 7. Ich wollte es nicht wahr haben. Nicht schon wieder die Warriors, nicht schon wieder so bitter. Im darauffolgenden Jahr wagte man einen erneuten Versuch und wieder einmal war mehr drin, als im Endeffekt dabei herauskam.

Im Sommer 2019, bahnte sich dann das Ende an. CP3 und Harden seien zerstritten und wollen, den jeweils anderen nicht mehr im Team haben. Pauls Vertrag machte ihn nahezu untradebar und man musste sich mit Russell Westbrick zufrieden geben. Ein Spieler, der überhaupt nicht in die Rockets Philosophie passte und für den man sogar ein allerletztes Ass aus dem Ärmel ziehen musste, Smallball Extreme. Es gab jedem Fan nochmal die Hoffnung unorthodox zu gewinnen, doch es scheiterte abermals. Nun also die Trade Forderungen beider Stars. Während ich Westbrook am liebsten selbst aus Houston fahren wollen würde, so schmerzt der potentielle Harden Abgang extrem.

All die Jahre über zog er mich in seinen Bann. Wie kein anderer verstand er es Offense für sich und sein Team zu generieren. Harden war ein einziges Offensivsystem, der im Alleingang Spiele gewinnen konnte und dabei stets mit diesem Schlafzimmerblick auftrat, als wäre er soeben erst aus seinem Pyjama geschlüpft. Er revolutionierte die NBA. Gemeinsam mit den Rockets beschleunigte er den Trend zu einer immer Dreierlastigeren Liga und auch sein Step-Back findet sich bei fast jedem jungen Spieler wieder. Doch keiner führt ihn so perfekt aus wie Harden. Er hat es geschafft, dass Verteidiger sich hinter ihn stellen, nur um ihm diesen Wurf zu nehmen.

Sein Spiel wurde oftmals als langweilig und eintönig beschrieben. Dreier und Freiwürfe ziehen, kann doch jeder. Nein. Keiner kann es so wie Harden, denn bei aller Kritik ist er einer der 3 bis 4 besten Spieler des vergangenen Jahrzehnts. Mit ihm haben die Rockets nie die Post Season verpasst. Mit ihm wuchs mein eigenes Interesse an diesem Sport. Durch ihn trainierte ich mir selbst einen Step-Back an, obwohl ich mich im Post wohler fühle. Hardens Abgang wird schmerzen. Vor allem, da es eine erneute Ära der Rockets sein wird, in der sie keinen Titel holen konnten. Seit Olajuwon sehnen sich die Fans der Texaner nach einem Titel. Harden gab ihnen Jahr für Jahr die Hoffnung, nur um dann knapp daran zu scheitern. Jahr für Jahr wurde er kritisiert, er würde keine Defense spielen und in den Playoffs versagen. Jahr für Jahr musste man ihn als Fan verteidigen. Nun, da seine defensive Reputation gestärkt ist, will ihn plötzlich jeder Fan im Team haben. Plötzlich ist Harden einer der besten Spieler der Liga, derjenige der jedem Team fehlt um zum Titelkandidaten Nummer 1 aufzusteigen. Manchmal ist das Leben ironisch. Egal wo auch immer Harden landen wird, er wird für immer als einer der besten Spieler Houstons zählen und stets einen Platz im Herzen der Fans haben, so wie er ihn sich einst, während der olympischen Spiele 2012, bei mir erdunkte.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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