Red Auerbach – Die Zigarre als Zeichen des Sieges

All About the Coach – Red Auerbach — We Are Basket
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Es wäre vermutlich am einfachsten den Bogen zwischen den aktuellen Boston Celtics und den von Coach Auerbach betreuten Kelten zu spannen. Am Anfang einer potentiellen Dynastie und der Mann, der mitverantwortlich für 16 der 17 Vereinsmeisterschaften ist.

Doch es gibt noch einen anderen Bogen, einen komplizierteren und von der Thematik her wesentlich heikleren. Am heutigen 15. September feiert der Zentralrat der Juden sein Bestehen zum 70. Mal. Vor 70 Jahren feierte auch ein gewisser Red Auerbach sein Debüt als Trainingsleiter bei den Boston Celtics. Viele werden nun zu Recht die Stirn runzeln und sich fragen, was das eine mit dem anderen zu tun hat? Auerbach ist vielleicht der bekannteste Jude in der NBA Geschichte, wenn nicht der Bekannteste dann zumindest der Erfolgreichste.

Um zuerst einmal auf den Zentralrat der Juden zurückzukommen. Dieser feiert wie bereits erwähnt sein 70-jähriges Bestehen, nicht jedoch wie erhofft unter positiven Vorzeichen, sondern vielmehr voller Sorge, wie Beispielsweise der Anschlag im Oktober 2019 in Halle zeigte. Generell gibt es auch 75 Jahre nach dem Krieg immer noch Anfeindungen. Verstärkt auch durch die Coronakrise, in der es erneut zu Verschwörungstheorien kam, die Juden als Ursprung der Pandemie bezichtigen. Auch wenn der Vorsitzende Josef Schuster betont, dass die Mehrheit der Deutschen hinter den Juden stehen würde, so kann auch er nicht verleugnen, dass sich viele Juden aktuell in Deutschland nicht wohl fühlen.

Juden, so heißt es stets wären geldgierig und deswegen erfolgreich. Dieses Klischee begleitet sie seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden. Dass sich dies auf Aspekte wie Bildung zurückführen lässt, wird den meisten egal sein, die diese Idee von klein auf in den Kopf gesetzt bekommen. Daran merkt man auch leicht, dass dies dem traditionellen deutschem Neid zuzuschreiben ist, anderswo werden sie für Reichtum und Erfolg abgefeiert: Leslie Alexander (ehem. Besitzer der Rockets), Micky Arison (Miami Heat), Steve Ballmer (LA Clippers), Mark Cuban (Dallas Mavericks) und viele mehr. So wurden die Cavaliers, Warriors, Nets, Bulls, Suns, Hawks allesamt von Juden gekauft und zu den Marken gemacht, die sie heute sind. Generell verdankt die NBA ihren Wohlstand jüdischen Führungskräften, so waren und sind mit Adam Silver und David Stern zwei Juden seit 1984 für die Geschicke der NBA verantwortlich. Seit jener Zeit wird die NBA Jahr für Jahr wohlhabender, wichtiger und somit auch politischer. Letzteres führt dazu, dass Minderheiten nun eine Plattform haben.

Auch Auerbach war Jude. Auch er hatte unendlich viel Erfolg. Diesen zeigte er immer dann, wenn er sich kurz vor einem erfolgreichen Spielende eine Zigarre anzündete um zu zeigen: „Die Boston Celtics haben wieder gewonnen!“, diese Angewohnheit war alles andere als förderlich für seine Gesundheit, da Boston häufig gewann. Sehr häufig sogar. Trotzdem starb der 1917 geborene Coach erst 2006 im Alter von 89 Jahren. Davon verbrachte er 60 in der NBA und 57 bei den Celtics. Seine Karriere startete er bei den Capitols und Tri-Cities Hawks, bevor man sich bei den strauchelnden Celtics entschied Auerbach zu holen, was gleichbedeutend die erfolgreichste Basketballära einleiten sollte, die es jemals gab. Am 29. April 1956 legte er dafür den Grundstein.  Ed Macauley und Cliff Hagan wurden zu den St. Louis Hawks geschickt, die im Gegenug ihren First Round Pick abgaben, mit dem Boston einen gewissen Bill Russell auswählte. Russell war der Eckpfeiler für Auerbachs Team, welches er bis 1966 zu neun Titeln führte, acht davon holte man zwischen 1959-1966 gar am Stück. 1966 entließ er sich dann selbst und wollte sich gänzlich auf seinen Posten als General Manager fokussieren. Seine Bilanz als Trainer: 938-479 in der Regular Season und 99-69 in den Playoffs. Erst 2009 sollte Phil Jackson ihn als Trainer mit den meisten Titeln überholen. Doch Auerbach hörte nicht auf Titel zu sammeln. Russell wurde zum Spielertrainer ernannt und holte zwei weitere Meisterschaften 1968-1969. Anfang der 70er Jahre erlebte Auerbach schließlich erstmals so etwas wie eine Dürrephase, doch 1974 und 1976 krönte man sich erneut zum Champion. 1978 zog er dann einen gewissen Larry Bird im Draft und schuf somit den nächsten Baustein für eines der großartigsten Teams aller Zeiten. 1981 erntete er erstmals die Lorbeeren für diese Wahl und wurde zum insgesamt 14. Mal NBA Champion. Auerbach jedoch war noch nicht am Ende und stellte Bird mit Robert Parish und Kevin McHale zwei weitere Ausnahmespieler an die Seite. Es folgten Meisterschaft Nummer 15 und 16. Neben all den Meisterschaften wirken Titel wie Coach of the Year, Executive of the Year, Hall of Famer und vieles mehr irgendwie blass, schließlich ist er bis heute der erfolgreichste Mensch in der NBA. Nebst Statue und der symbolischen Nummer „2“, die extra für ihn retired wurde, als zweitwichtigster Mann in der Geschichte der Franchise, nach Teamgründer Walter Brown.

Dirk hatte seinen Fadeaway, Harden seinen Stepback und Abdul-Jabbar seinen Skyhook, irgendwo dazwischen reiht sich Auerbachs Zigarre ein. Ein Mann, der dadurch seinen eigenen Legendenstatus zementierte. Ein Mann, dessen Lebenswerk Würdigung verdient, ähnlich wie es Juden auf der Welt verdienen, nicht nur am 15. September, wenn der Zentralrat der Juden in Deutschland sein bestehen feiert.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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