Die NBA wird zur politischen Organisation

Es sind nach wie vor ereignisreiche Wochen. Speziell in den USA. Der Bevorstehende Wahlkampf spaltet das Land, wie seit langem nicht mehr. Trump gratuliert Rechten für ihren unbändigen Patriotismus und ignoriert, dass ein 17-jähriger auf offener Straße zwei Menschen erschießen kann. In Kenosha und Portland kommt es deswegen seit Tagen zu Auseinandersetzungen. Die NBA spielt ihre Saison aber trotzdem zu Ende, nachdem die Spieler erneut für ein starkes politisches Statement sorgten.

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In all diesen turbulenten Zeiten ging der Tod von John Thompson ein wenig unter. Der John Thompson, der an der Georgetown University 27 Jahre lang spätere NBA Stars formte, sie aber nicht nur zu Spielern erziehen wollte, sondern sich als eine Art Sozialarbeiter ansah und wert darauf legte, dass seine Schützlinge ihren Abschluss machten. 1984 krönte er sich selbst und wurde zum ersten schwarzen Meistertrainer in der NCAA. Sein Ziel war es stets, dass sich seine Spieler eine eigenständige Meinung bilden können und dafür einstehen. Es wird ihn also sicherlich gefreut haben, dass obwohl keiner seiner ehemaligen Spieler mehr spielt, die aktuelle Generation sein Erbe antritt und für Dinge einsteht, die größer sind als Basketball.

Denn eben jene Spieler erwirkten letzte Woche einen Spielabbruch und kurzzeitig die Sorge einiger Fans, dass die Saison nun gänzlich abgesagt werden könnte. Zwar kam es dazu nicht und mittlerweile wurde der Spielbetrieb wieder aufgenommen, doch die Spieler haben ihre Punkte damit auf massivste Art und Weise unterstrichen. Ihnen ist die Gesellschaft und das friedliche miteinander wichtiger, als die persönliche Aussicht auf einen Titel. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Basketballer ihrer Plattform bewusst werden. Speziell LeBron James ist hier seit Jahren Wortführer und hat bereits 2016 bewiesen, wie viel Einfluss er als einzelner haben kann. Damals rief er die Wähler im Bundesstaat Ohio auf, wählen zu gehen wenn man sich vor einer Trumpschen Schreckensherrschaft schützen möchte. Es ist der richtige Ansatz schließlich sind Spieler Vorbilder vieler und auch ältere respektieren ihre Ansichten. Spieler haben die Plattform um dies zu zeigen und seit dem Tod an George Floyd, politisiert die NBA gewaltig. Endlich. Denn der Rassismus wächst seit Jahren und generell schürt Donald Trump Hass. Dieser Hass führte zu Eskalation in Kenosha, als Jacob Blake kaltblütig sieben (!) Mal in den Rücken geschossen wurde und nun um sein Überleben kämpft. Kenosha keine Stunde von Milwaukee liegend, brachte die Spieler so weit, dass sie dafür in den Streik gingen. George Hill verlas ein Statement und wenig später zogen die folgenden Partien nach. Die Botschaft eindeutig. Stoppt das Morden, oder wir stoppen das Spielen. Wie mächtig solche Gesten sind, beweiste bereits Colin Kaepernick vor genau vier Jahren. Mit seinem Hymnenprotest löste er einerseits eine Debatte in der Sportwelt, aber auch in dem Alltag vieler Amerikaner aus. Da es damals nur ein Spieler war, konnten Rechte ihren Hass auf ihn zentrieren. Speziell, da er von seinem eigenen Arbeitgeber kaum Rückendeckung erfuhr und sich einem medialen Spießrutenlauf ausgesetzt sah, der auch heute noch längs nicht vorbei ist. So sehr Kaepernick von einzelnen gehasst wurde, umso mehr feierten ihn für diese Aktion ab und das Interesse für seine Person, seinen Sport und somit sein Team stieg. Ich selbst sah mir Sonntags oft seinen Boxscore an oder schaute Spiele der 49ers um mir mein eigenes Bild von ihm zu machen und ob die (sportlichen) Anschuldigungen gerechtfertigt wären. Andere Sportler taten es ihm gleich und so wurde sein KNiefall zum weltweiten Symbol. Die NBA hat sich nun ein ähnliches Standing aufgebaut. Bereits einen Tag vor der Absage des Spieltags, befassten sich die Raptors mit einem ähnlichen Szenario. Parallel zur NBA sind aktuell auch noch die NHL und MLB aktiv. In keienr der beiden Ligen hörte man etwas ähnliches, doch als die NBA ihre Spiele absagte, zogen beide mit. Der Fokus war da jedoch bereits auf die NBA gerichtet und ähnlich wie Football einen Aufschwung ab 2016 erlebte, könnte es nun auch der NBA ergehen. Man wird sich fortan an ihr orientieren, egal ob in gesellschaftlicher Hinsicht oder sportlicher und genau das sollte das Ziel einer solch großen Organisation sein. Nicht nur auf sich schauen, sondern auch für die schwächeren einsetzen und diesen ein Sprachrohr bieten, denn die Show muss nicht zu jedem Preis weitergehen.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

2 Kommentare zu „Die NBA wird zur politischen Organisation

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