Der vergessene Mitfavorit – Indiana Pacers

Es gibt größere und kleinere Märkte in den USA. Größere und kleinere Franchises. Erfolgreiche und erfolglose Teams. Wenn man das liest, denkt jeder sofort an New York, Los Angeles, die Warriors und die Knicks. Doch ähnlich dem kleinen gallischen Dorf bei Asterix und Obelix, wehren sich die Pacers seit Jahren gegen einen Rebuild – erfolgreich. Über eine Franchise, die alles richtig zu machen scheint.

Quelle: NBA.com

Denkt man an die letzten zehn Jahre, so gibt es kaum Teams, die konstant die Playoffs erreichen konnten. Houston und San Antonio fallen einem da ein. Die Warriors, Cavs oder Heat mit ihren Finalstreaks, doch neben Houston und San Antonio erreichten nur die Indiana Pacers seit 2011 acht Mal oder häufiger die Postseason. Lediglich 2015, als man ohne Superstar Paul George auskommen musste, verpasste man die Playoffs. Unzählige packende Serien haben sie sich geliefert. Sei es gegen die Heat zwischen 2011 und 2014 oder die Cavs 2018. Doch trotzdem redet nie jemand über die Pacers, wenn man von den besten Teams der Liga redet. Das hat vor allem zwei Gründe. Indiana ist ein kleiner Markt, der Stars eher nicht anzieht und diese aus irgendeinem Grund nicht braucht, was sie für die starsüchtige NBA etwas unattraktiv macht. Als sich Granger verletzte war auf einmal George da, als George wegwollte, gab es plötzlich Oladipo und als sich dieser wiederum verletzte, war plötzlich Domantas Sabonis zur Stelle.

Denn die Pacers kommen nicht über den einzelnen, sondern über ihre Defense und ihr Teamgefüge (vgl. „Wie die Miami Heat im Sommer 2019 den Turnaround schafften“).

So wurden die Pacers schon im Sommer 2017 in den Rebuild geredet. Man solle um das junge Talent Myles Turner herum neu aufbauen, denn soeben hatten sie den unzufriedenen Paul George in Richtung Oklahoma geschickt. Im Gegenzug erhielt man Victor Oladipo, ein zu diesem Zeitpunkt bereits als Bust abgeschriebenes Talent, sowie Domantas Sabonis, in dem man zwar Potential sah, doch keiner traute ihm zu in die moderne NBA zu passen. Zu häufig suche er das Post-Up, zu wackelig sei der Wurf, die Defense zu anfällig und neben Turner könne er eh nicht koexistieren. Was damals wie ein Coup für OKC aussah, wurde jedoch bereits im Lauf der Saison angezweifelt, zu gut entwickelte sich Oladipo, zu schlecht waren Oklahomas Leistungen, gemessen an deren Erwartungen. Spätestens in den Playoffs, als Oladipo die Cavs um LeBron James an den Rande einer Niederlage brachte, hofften viele Indiana Fans, dass es abermals keinen Rebuild geben würde und man nun den großen Run starten könnte. Bis sich Oladipo am 24.01.2019 schwer am Knie verletzte und man in den Playoffs kein Land gegen die Celtics sah. Folglich schied man nach vier Spielen aus, keiner wusste so recht, wie es nun weitergehen würde. In welcher Verfassung kann Oladipo zurückkehren, kann Turner endlich den nächsten Schritt machen und das Stigma ewiges talent hinter sich lassen und was passiert mit den Free Agents wie Bogdanovic und Collison? Viele offene fragen kurz vor der Offseason. Doch viel besser hätte diese für die Pacers wohl kaum starten können: Schon am Draftabend fädelte Teampräsident Kevin Pitchard mit dem Trade für T.J. Warren einen echten Steal ein, der vor allem die Fans der Phoenix Suns verwundert zurückließ. Schließlich bekamen die Pacers zusätzlich einen Zweitrundenpick, als Gegenwert für den Scorer wanderten nur „Cash Considerations“ in die Wüste.

Doch es wäre nicht Indiana, wenn auf ein Hoch nicht postwendend ein Tief folgen würde. Bogdanovic konnte aus finanziellen Gründen nicht gehalten werden, mit Thaddeus Young verließ eine weiterer Starter die Pacers in Richtung Chicago. Und Daren Collison wollte fortan lieber Missionarsarbeit für die Zeugen Jehovas leisten und überraschte mit seinem Rücktritt. 60% der Starting Five weg, der vermeintliche Star noch mindestens bis Januar verletzt. Erneut vermutetet man eine Saison, die zu einem hohen Pick führen sollte. Doch erneut kam alles anders. Per Sign-and-Trade holte man Malcolm Brogdon von den Milwaukee Bucks, dazu Jeremy Lamb, Justin Holiday und T.J. McConnell um vor allem die Lücken im Backcourt zu kompensieren. Im Draft holte man Goga Bitadze, der vor allem Turner entlassten soll. Dazu erhoffte man sich von Sabonis einen weiteren Schritt.

Die Strategie hinter dem Sommer ist genauso klar zu erkennen, wie nachvollziehbar. Der Osten ist weiterhin nicht tief besetzt. Man selbst hat jetzt ein Team zusammen, dass im Kern zwischen 23 und 27 Jahren alt ist, die bereits ein hohes Level haben, sich jedoch weiterhin verbessern können.

Diese Verbesserung ist vor allem bei Domantas Sabonis eingetreten. In seiner vierten Saison wurde er erstmals All-Star, steigerte seinen Punkteschnitt auf 18,5, griff sich 12,4 RPS und verteilte starke 5,0 APS. Vor allem dank ihm, spielten die Pacers erneut eine überragende Saison und blieben den ärgsten Konkurrenten auf den Fersen. Bis zur Saisonunterbrechung, hatte man mit einem 39-26 Record den viertbesten der Eastern Conference.

Die Defense performte erneut auf einem hohen Niveau, neun Spieler legen mindestens 8PPS auf (sieben davon über 10), was vor allem im Hinblick auf potentielle Playoffs ein gutes Zeichen ist, denn dort werden die Rotation bekanntlich kleiner. Hier keinen Leistungsabfall befürchten zu müssen, macht Nate McMillan seine Arbeit um ein wesentliches leichter.

Dazu kommt, dass den Pacers die Corona-Zwangspause gut tut. Denn Brogdon, der sich Anfang März an der Hüfte verletzte, kann fit zurückkehren und auch Oladipo, dem man nach seiner Rückkehr den Rost ansehen konnte, bekommt die Chance sich weiter auszukurieren und fitter zurückzukehren. Auch für Myles Turner könnte es positiv sein, so hat er nun endlich genügend Zeit um an seiner Beinarbeit feilen zu können. Dass er unbeschreibliches Potential besitzt ist seit längerem bekannt, doch zu häufig zögerte er bei freien Abschlüssen und oftmals sahen seine Bewegungen nicht flüssig in der Abfolge aus. Kann er diese Probleme beheben, so kann er durchaus als „Unicorn“ (ein Spieler, der alles kann) durchgehen. Denn seine Wurfbewegung sieht gut aus, seine defensiven Stärken sind seit längerem bekannt und dazu paart sich eine außergewöhnliche Athletik. Lediglich seine Beine machen ihm zu oft einen Strich durch die Rechnung.

Aktuell würde man in der ersten Runde auf die Miami Heat treffen, ein 50:50 Duell, doch sollten die Pacers fit sein, wären sie vermutlich leicht favorisiert. In Runde zwei würden zwar die Milwaukee Bucks warten, doch in dieser außergewöhnlichen Saison ist nichts mehr auszuschließen, zudem muss Giannis erst noch beweisen, dass er nicht nur der beste Regular Season Spieler der NBA ist, sondern insgesamt der Beste sein kann. Doch egal wie die Pacers, diese Saison beenden, so muss man dennoch den Hut vor diesem Team aus Indianapolis ziehen. Erneut haben sie es geschafft den Ausfall/Verlust eines Stars, sowie zahlreicher Schlüsselspieler zu kompensieren und haben mit ihrem neuen Kern erneut einen Schritt weiter in die richtige Richtung gemacht. Und wer weiß vielleicht steht ihnen in den nächsten Jahren nicht mehr ein Team wie damals die Heat im Weg, dann endlich wäre man ein Contender, der sich auf die Landkarte der NBA setzten kann, fast genauso wie Asterix und Obelix einst in den Comics.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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