The beautiful mind

David Zalubowski/Associated Press

Die NBA ist eine der größten Sportligen der Welt. Mittlerweile werden mit diesem Produkt jährlich Milliarden verdient. Größter Profiteur? Vermutlich die Franchises und zwangsläufig ihre Spieler, die mittlerweile absurde Summen verdienen. Manche Spieler haben sich gar einen solchen Status erarbeitet, als dass ihre Einschätzung etliche Menschen beeinflussen kann, oder dass sich Menschen mit diesen Spielern verbunden fühlen. Man nenne als Beispiel hierfür nur den Tod Kobe Bryants oder LeBron James Rat an Ohio, dass man doch gegen Donald Trump in den Wahlen stimmen solle. Doch diesen Status erreichen die wenigsten. Er ist gewissen Stars vorbehalten. Über Spieler wie Kevin Love wissen die wenigsten etwas. Manch einer wird sich erinnern, welche Scoringqualitäten in ihm steckten, als er in Minnesota spielte. Jüngere Fans kennen ihn nur als Cavalier. Der 2014 bei James Rückkehr als dritter Star installiert werden sollte. Manch einer wird sich an die Defensivsequenz von den 2016er Finals erinnern, als Love Stephen Curry in Game 7 verteidigte und seinen Mann stand. Diese Aktion war mit entscheidend dafür, dass die Cavs den lang ersehnten Titel gewinnen konnten. So präsentiert einem die NBA ihre Stars und Spieler gerne. Dieses makellose Produkt, dass man der Welt verkaufen kann. Nur die wenigsten werden sich noch an den 5.10.2017 erinnern. Wozu auch? An diesem Tag legte kein Spieler einen neuen Bestwert auf, es purzelten keine Rekorde. Es war nur ein bedeutungsloses Spiel zwischen den Cleveland Cavaliers und den Atlanta Hawks. Die Cavs starteten schwach in die Saison, schließlich verlor man im Sommer in Kyrie Irving seinen zweitbesten Spieler. In der zweiten Hälfte stürmte Kevin Love in die Katakomben und irrte dort umher. Keiner weiß, was vor sich ging. Ein Staff Member fand ihn mit Atemproblemen und brachte ihn in das Cleveland Hospital. Dort wurde er getestet, doch man fand nichts. Im nächsten Spiel stand er auf dem Platz, als wäre nichts gewesen und legte 32 Punkte auf. Über den Vorfall im Spiel zuvor wurde nicht berichtet und kaum jemand wusste überhaupt, was mit Love passiert war. Er hatte eine Panikattacke. Für ihn war es selbstverständlich, nicht darüber zu reden, schließlich ist das ein Tabu Thema und als Mann redet man nicht über Kleinigkeiten wie psychische Probleme, schließlich ist dass ja ganz und gar nicht männlich. Er hoffte einfach nur, dass es eine einmalige Attacke war und er das Schlimmste überstanden hätte. Und er hoffte, dass es keiner herausfinden würde. Trotzdem suchte er einen Therapeuten auf, etwas dass für NBA Spieler selbst heute noch ungewöhnlich ist. Denn schließlich möchte man nicht als Sonderling gelten, der zwar seinen Traum lebt aber trotzdem Probleme hat. Vor allem junge Spieler haben dieses Problem, dass sie sich beweisen müssen, tough sein etc., um sich den Respekt ihrer älteren Mitspieler zu erarbeiten. Doch gerade sie bräuchten diese Betreuung. Denn sobald die Spieler in die NBA kommen ändert sich deren gesamtes Leben. Schneller Reichtum, ein Leben in der Öffentlichkeit und erstmals in ihrem Leben sind sie nicht mehr die besten in ihrem Team. Für Menschen die danach streben der Beste zu sein ein hartes Los. Trotz allem Talentes scheitern so viele Jungprofis, weil sie mit dem psychischen Druck nicht umgehen können. Auch Love wagte diesen Schritt erst, als er 29 Jahre alt war und zudem eine Panikattacke erlitten hatte. Es ist irgendwo ironisch, dass diese perfekt geölte Maschinerie NBA einem alles zur Seite stellt. Vom Trainer angefangen, Ärzte, Ernährungsberater, Personal Coaches und Leute, die einem den Alltag erleichtern sollen, doch als Love an diesem 5. Oktober in den Katakomben lag und keine Luft bekam wusste niemand so recht ihm zu helfen.

Mit der Hilfe seines Therapeuten schaffte er es die Dinge anders zu sehen. DeMar DeRozan veröffentlichte im März 2018, dass er an Depressionen leiden würde und Love zog mit seiner Geschichte nach. Kurzzeitig hatte das Thema eine gewissen Präsenz in den amerikanischen Medien, doch kurz darauf folgten die Playoffs und da beide spielten, spielten viele es herunter und das Thema verstummte schnell wieder.

Und das, obwohl wir im 21. Jahrhundert leben und vor allem Psychologische Krankheiten überhand nehmen. Sei es der Burn-Out bei Arbeitnehmern, oder die steigende Anzahl der Suizide. Hierzulande war vermutlich Robert Enke ein Dosenöffner zu der Thematik. Trotzdem ist es immer noch viel zu klein, wenn man bedenkt dass jeder Mensch irgendwann etwas durchmacht, dass nicht sichtbar ist.

Obwohl viele sich dessen bewusst sind, gibt es auch heute noch Fans die Spieler fertig machen, wenn diese ein schlechtes Spiel haben. Unser Denken sagt, dass diese Spieler doch dass perfekte Leben leben würden und es gar keinen Platz geben sollte für Kleinigkeiten wie psychische Gesundheit.

Man darf als Fan enttäuscht sein, wenn das eigene Team in einem Entscheidungsspiel 27 Dreier verwirft und nicht daran denkt die Taktik zu ändern. Enttäuscht sein ja, aber nicht Spieler dafür verantwortlich machen. Denn so modern unsere Welt auch ist, so perfide ist sie zugleich. Die sozialen Medien haben dafür gesorgt, dass der Hass nicht aufhört, sobald das Spiel vorbei ist. Spieler werden auf Instagram und anderen Seiten weiter fertig gemacht, egal wie viele großartige Dinge sie zuvor vollbracht haben. Die Argumentation, dass man ja die Kommentare nicht lesen müsse zieht hier auch nicht, denn jeder Mensch hat dieses Verlange zu wissen, was andere über einen Denken egal ob positiv oder negativ. So bleiben einem auch eher die negativen Dinge in Erinnerung und man fängt mit ersten Selbstzweifeln an, doch gemäß dem Motto „The Show must go on“ machen wir weiter vermarkten uns trotzdem mehr als je zuvor selbst und legen Filter über Filter, um zu beweisen wie großartig unser Leben ist. Und ganz ehrlich wer von uns folgt Seiten, die mit diesem Thema offensiv umgehen? Man muss fast schon so zynisch sein und behaupten, dass Psychische Probleme heutzutage nichts anderes sind, als vorzuspielen, dass man glücklich sei.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte mit Dion Waiters ein zweiter prominenter Spieler eine Panikattacke in einem Flugzeug, um ihr entgegenzuwirken nahm er eine Überdosis an beruhigenden Substanzen zu sich, die jedoch gegen die Drogen Police der NBA verstoßen. Sein Team, die Miami Heat reagierten daraufhin und ließen Waiters kein Spiel mehr machen. Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass man immer noch versucht dieses Thema unter den Teppich zu kehren, als dass man dem entgegentritt und man seine Angestellten (nichts anderes sind Basketballer) davor schützt und ihnen die bestmögliche Hilfe an die Hand gibt.

Auch sollten wir als Fans uns bewusst werden, dass es sich bei unseren Idolen auch nur um Menschen handelt, die dieselben Probleme durchstehen wie jeder andere. Geld und Ruhm ändern nichts an dieses Tatsache. Denn dieses „beautiful game“ ist nur möglich wenn die Spieler ihr „beautiful mind“ gänzlich entfalten können.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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