Liebes Amerika,

wir leben in einer schnelllebigen Welt. Kaum ein Skandal ist groß genug um sich lange medial zu halten. Ein Thema beherrscht zwar immer und immer wieder die Schlagzeilen, das jedoch nur temporär. Schaffen wir es dieses nicht zu lösen, so ziehen wir weiter. Beispiel gefällig? Kaepernick geht auf die Knie 2016, Trump wird Präsident, Brexit, #metoo, Epstein, Fridays for Future, Kashoggi, Covid-19 und zuletzt George Floyd. Der Kreis meiner vorangehenden Beispiele scheint sich zu schließen. Zum einen ist irgendwo immer dieses vermeintlich großartige Land USA involviert, zum anderen sind Minderheiten dort oftmals in keiner guten Ausgangslage. Auch gibt es eine gewisse Perversion in der gesamten Sache. Kaepernick ging auf die Knie, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Der Polizist, der nun George Floyd auf dem Gewissen hat, nahm bei dessen Ermordung diese Pose ein. Auch ist es eine gewisse Ironie, dass weiße Amerikaner oder generell Weiße es oftmals wollen, dass Schwarze oder generell Minderheiten zu ihnen aufschauen und ihre Anerkennung zeigen. Umgekehrt ist das nur selten der Fall. Schwarze aber sollen „uns“ (auch ich bin weiß und kann mir dieses Gefühl nur vorstellen) gegenüber loyal sein und ihre Liebe zeigen, denn schließlich leben sie ja in Ländern, die niemals so etwas wie Segregation oder Rassenideologie kannten. Speziell in den USA sollen sie die Flagge und Soldaten ehren. Eine Flagge, die sie nach wie vor nicht gleichberechtigt. Weiße Amerikaner wollen, dass Schwarze sie lieben, wenn sie ihre Gated Areas bewachen dürfen, die jedoch errichtet wurden um Schwarze draußen zu halten. Bei den Olympischen Spielen oder anderen Sportereignissen soll man der Flagge zujubeln. Eine Flagge, die dann aber umgekehrt „zuhause“ keinen Frieden oder Gerechtigkeit gibt. Die versucht die Ungleichheiten zu vertuschen und Stimmen, die sich erheben, im Keim zu ersticken.

Nun liebes Amerika habt ihr es geschafft, am helllichten Tage einen Menschen auf offener Straße umzubringen. Vor den Augen anderer Menschen und Kinder. Deine Oppression, dein systematischer Rassismus, dein Verständnis von Gerechtigkeit, wurde in nicht einmal zehn Minuten, vielleicht brutaler als je zuvor, aufgedeckt. Gerade einmal acht Minuten und 46 Sekunden hat es gebraucht, damit sich die „We can’t breathe“-Menschen endlich trauen sich zu erheben und in einer nie dagewesene globalen Lautstärke „BLACK LIVES MATTER!“ zu schreien. Dies richtet sich an alle Amerikaner und sämtliche Menschen dieser Welt. Lehnt euch nicht zurück, auch wenn ihr sagt: „Ey ich habe noch nie einen Menschen diskriminiert“, steht auf und schafft es mit eurer Stimme, dass eine Ungerechtigkeit einer „Rasse“ gegenüber, als Ungerechtigkeit allen Menschen gegenüber wahrgenommen wird.

Ironisch an den gesamten Umständen ist auch, dass inmitten einer Pandemie, die Atemprobleme und Erstickungen verursacht, dieser letzte Ausruf Eric Garners nun aktueller denn je ist: „I can’t breathe. Jeder Mensch sollte sich nun bewusst machen, wie wichtig es ist zu atmen. Und ja liebe Polizisten man kann sprechen, wenn man keine Luft bekommt. Für viele Schwarze, sind diese knapp neun Minuten Sinnbild für ihr „schwarz-sein“ in diesem tollen Land. Diesen Vereinigten Staaten. Spätestens jetzt sollte man merken, die Ironie ist allgegenwärtig.

Wenn Menschen während einer global andauernden Pandemie auf die Straßen gehen, und sich dem Risiko aussetzen, sich anzustecken und womöglich daran zu sterben drohen, dann sollte wirklich jedem bewusst werden, dass die Menschen es leid sind, dass dies schon der letzte Ausweg zu sein scheint. Diese Menschen kämpfen für ihre Gerechtigkeit und sind müde davon, dass ihr eigenes Land sie behandelt, wie der Polizist Derek Chauvin es unlängst in Minneapolis mit George Floyd tat. Sie sind es leid, auf die „Gnade“ der Weißen warten zu müssen, damit diese selbst erkennen, dass man Menschen die Luft abdrückt, wenn man sich auf deren Hälse kniet.

Während Zeiten von Covid-19 haben einzelne immer gefragt, welchen Schaden Kinder wohl nehmen werden, wenn sie im Supermarkt nur noch maskierte Menschen sehen, keine Kontakte zu Freunden pflegen dürfen und generell zuhause eingesperrt sind? Nun stelle ich die Gegenfrage. Wie fühlen sich schwarze Kinder, die Videos wie das der Ermordung Floyds sehen? Welche Fragen müssen deren Eltern beantworten? Grundlegende humanistische Fragen? Kinder könnten fragen: „Was passiert da?“, „Warum hockt dieser Polizist auf dem Mann?“ oder „Warum hilft ihm denn keiner?“. Was müssten Eltern darauf antworten? In etwa: „Das liebe Kinder nennt man Mord, es passiert weil man das Ganze getrost Rassismus nennen darf und zu guter letzt. Keiner hilft ihm, weil dass das Ungerechte System ist in dem ihr aufwachen müsst.“?

Allein der Fakt, dass Eltern diese Aufklärungsarbeit in so jungen Jahren leisten müssen ist krank. Doch die meisten tun dies ja nicht zum ersten Mal. Ein Gedankenexperiment. Ein Kind stell seinen Eltern 2016 bei Kaepernicks Kniefall ähnliche Fragen und ist damals sagen wir sieben Jahre alt. Nun ist es zehn oder elf und stellt erneut Fragen. Fragen, die vor allem mit einem Mann zusammenhängen. Und ja ich habe dieses Beispiel so simpel Formuliert, damit es selbst der letzte kapiert. Auch du POTUS No. 45. Ja Donald, den systematischen Rassismus befeuerst du. Ja Donald, auch wegen dir, müssen Eltern ihren Kindern erneut Fragen bezüglich der Unterdrückung afroamerikanischer Bürger beantworten. Und das ist fast das Schlimmste an all dem. Die Kinder. Unschuldige Wesen, die so etwas wie Rassismus nicht kennen wenn sie aufwachsen. Kinder, die sich nicht aussuchen können, ob sie schwarz oder weiß sind. Ich würde ganz gerne sehen wie ein Trump seinen Kindern erklärt, was er da macht und warum. Vermutlich weiß er es selbst nicht einmal. Vermutlich ist das der Grund, warum dieses Land der unbegrenzten Möglichkeiten seit über 400 Jahren auf Rassismus fußt. Aber liebes Amerika, du gehörst auch deinen schwarzen Bewohnern, mach dir das bitte bewusst. Ein Bewusstsein, dass sich erst die letzten Wochen über so langsam entwickelt. Viele nicht Afroamerikaner fragen diese jetzt: „Ist es wirklich so schlimm? Ich hatte ja keine Idee!“. Diese können all das nur beantworten, dass es wirklich so schlimm ist. Ja es wurden Gesetze abgeschafft, so dass auf dem Papier von Gleichheit gesprochen werden kann, doch es ist nach wie vor so, dass Polizisten Schwarze festnehmen können ohne großartige Beweislage. Auch hier wiederholt sich die Geschichte. Rodney King in den 90er Jahren sollte dir, liebes Amerika ein gutes Beispiel sein. Die Geschichte scheint sich nun zu wiederholen, nur dass es heute Soziale Medien, Mobiltelefone und dergleichen gibt. All den Leugnern, sollte spätestens jetzt kristallklar gezeigt werden, wie ernst dieses Problem ist. Jeder Amerikaner ist auch „so so stolz“ auf die Geschichte Amerikas. Wie wäre es wenn man die wirkliche Geschichte kennt und nicht leugnet? Dann würde man vielleicht verstehen, warum all diese Menschen auf die Straßen gehen.

Kein Mensch hat alle Antworten parat, auch kein Land liebes Amerika. Doch zusammen ist es möglich, diese Antworten zu finden. Antworten die all den Kindern helfen würden ihre Kindheit zu genießen und nicht ihren Eltern fragen stellen müssten, warum denn ein Mann sich 8 Minuten und 46 Sekunden lang auf den Hals eines anderen hockt.

Es braucht Handlungen und jeden einzelnen dafür.

Mit freundlichen Grüßen

Leon Göhl

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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