Die Black Power Bewegung im Profisport

Quelle: https://www.spiegel.de/geschichte/olympia-protest-a-947038.html#fotostrecke-a17c0ab4-0001-0002-0000-000000106909

Protest auf dem Protest

Unter tosendem Applaus betreten die schwarzen US-Sprinter Tommie Smith und John Carlos, Erst- und Drittplatzierte über 200 Meter Sprint, das Sie- gerpodest. Als dann die amerikanische National- hymne abgespielt wird und die Fahnen gehisst wer- den, sind die beiden Athleten am Höhepunkt ihrer doch sehr kurzen Karriere angelangt. Wo den meis- ten Sportlern vor Freude die Tränen kommen, blei- ben die Gesichter dieser beiden Athleten ausdrucks- los und starr. Sie senken stattdessen den Kopf und strecken ihre schwarzbehandschuhte Faust in den mexikanischen Nachthimmel.

„We are just human beings who saw a need to bring attention to the inequality in our country.”

Mit diesem Zitat rechtfertigen die beiden Sportler ihre Aktion bei den olympischen Spielen 1968 in Mexico City. Um auf die seit Jahrhunderte bestehende Rassendiskriminierung und Unterdrückung in den USA aufmerksam zu machen, nutzen die Sportler bewusst eine der größten politischen Bühnen, die olympischen Spiele, um Aufmerksamkeit zu erhalten und Interesse zu verbreiten.

Doch auch anschließende Beschwichtigungsversuche können nicht verhindern, dass beide am darauffolgenden Tag vom weiteren Spielverlauf ausgeschlossen und des Landes verwiesen werden.

Sportpolitische Proteste wie dieser sind kein Einzelfall. Schon vor Jahrhunderten und Jahr- tausenden diente der Sport oft als Bühne für politische Zwecke, um somit eine Vielzahl von Menschen anzusprechen und ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Bereits in der Antike missbrauchte Kaiser Nero die olympischen Spiele, indem er sich als Wettkämpfer ver- suchte, in einem Wagenrennen angeblich sogar stürzte und sich trotz allem als Sieger ehren ließ, um seine Macht und Stärke zu demonstrieren.

Die Zweckentfremdung des Sports durch die Politik hat bis zum 21. Jahrhundert stetig zu- genommen und ist heutzutage kaum mehr aus dem Profisport wegzudenken. Als aktuelles Beispiel kann man den Kniefall von Colin Kaepernick in der NFL während der National- hymne anführen, der als Zeichen gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner gilt und welt-weit Aufmerksamkeit erregte, als auch Solidarität auslöste.

Als eines der bekanntesten sportpolitischen Proteste gilt die der Black Power Bewegung, eine amerikanische Bürgerrechtsbewegung aus den 1970ern, für welche Smith und Carlos rebellierten. Das Foto während der Siegerehrung ging um die Welt und wurde sogar von der Zeitschrift Life in die Liste der einflussreichsten und bedeutendsten Bilder des 20. Jahrhunderts aufgenommen. Aber wieso wurde gerade dieses scheinbar so harmlose Foto so weltberühmt und erregte so viel Aufmerksamkeit? Und vor allem was bewegte die beiden Athleten am Höhepunkt ihrer Karriere eine solche Machenschaft zu veranstalten?

Auch diese Fragen werden in dieser Seminararbeit beantwortet, die unter folgendem Leit- thema steht: Die Black Power Bewegung im Profisport.
Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, den Anteil des Sports am Erfolg der Black Power Bewegung zu ermitteln und die Motive der Sportler für ihre Proteste zu verstehen. Wieso nutzten die Athleten den Sportplatz als politische Bühne für eine damals noch unbekannte und unentwickelte Bürgerrechtsbewegung in den USA?

Die Arbeit gliedert sich in zwei große Abschnitte: Im ersten Teil wird ein Einblick in die Ge- schichte der Rassendiskriminierung in den USA gegeben und anschließend eine politische Analyse der Black Power Bewegung zu ihrer Entstehung, ihren Zielen und ihrem Ende durchgeführt. Dieses Hintergrundwissen ist notwendig, um den zweiten Teil der Arbeit zu verstehen. Diese fokussiert sich auf den Sport. Hierbei werden vor allem die sportpoliti- schen Proteste analysiert und vor allem der Hintergrund der Proteste beleuchtet. D Abschließend beinhaltet die Arbeit eine Gesamtanalyse, welche die Antworten auf die Grundlegenden Fragen beinhaltet und einen Ausblick auf die Zukunft gibt.

Rassendiskriminierung in den USA – ein historischer Überblick

Die Geschichte der Afroamerikaner in den USA ist ein dunkles Kapitel. Die rassistischen Praktiken und Vorurteile gegenüber dieser ethnischen Gruppe haben ihren Ursprung in der Kolonialzeit, jedoch ist die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerungsschicht noch lange nicht überwunden und sorgt heutzutage noch für Probleme.

In den nachfolgenden Abschnitten soll anhand historischer Entwicklungslinien die Ge- schichte der schwarzen Bevölkerung in den USA erläutert werden.

Im Jahre 1619 wurden die ersten afrikanischen Sklaven von holländischen Händlern nach Amerika gebracht. Dort arbeiteten sie zunächst in der Tabakproduktion. Anfangs waren es nur einige wenige Sklaven, doch ihre Zahl stieg massiv an, als im Süden von Amerika das Plantagensystem entwickelt wurde. Dies zeigte sich als äußerst profitabel, jedoch konnte die Menge an benötigten Arbeitskräften nicht mehr von einheimischen Lohnarbeitern ge- deckt werden. Für die nordamerikanischen Plantagenbesitzer war die gewaltsame Verskla- vung der afrikanischen Bevölkerung die naheliegenste Lösung für die Rekrutierung von Ar- beitskräften. Somit waren die Gründe der Sklaverei in Amerika eher ökonomische Um- stände als moralische.

Erst über ein Jahrhundert später änderte sich die Lage der schwarzen Sklaven, denn der von 1861 bis 1865 andauernde amerikanische Bürgerkrieg brachte die entscheidende Wende in der Sklavenfrage. Die Auslöser der Revolte waren die Südstaaten der USA, die sich nicht weiter von Präsident Abraham Lincoln regieren lassen wollen, da er ein Gegner der Sklaverei war. Tausende Schwarze kämpfen daraufhin für den Norden – mit Erfolg. 1865 wurde ein 13. Zusatz zur Verfassung hinzugefügt, indem die Sklaverei in den USA of- fiziell verboten wurde.

Doch dies brachte noch lange keine Gleichstellung der Afroamerikaner mit sich – ganz im Gegenteil. 1896 legte der Oberste Gerichtshof der USA einen Grundsatz fest, der die schwarze Bevölkerung zwar als gleichwertige Menschen anerkannte, aber dennoch die Trennung von Schwarz und Weiß erlaubte („Separat but equal“). Auf Grund dessen er- folgte vor allem in den Südstaaten eine strikte Trennung der beiden ethnischen Gruppen in Theaternn, öffentlichen Verkehrsmitteln und sogar in Friedhöfen oder Fahrstühlen.

tockely Carmichael schrieb in seinem Buch: „Black Power. Die Politik der Befreiung in Ame- rika“, dass „die schwarze Bevölkerung die weiße Machtstruktur bei ganz konkreten Anläs- sen wahrnimmt.“ Diese konkrete Rassendiskriminierung bzw. Rassentrennung sowohl in der Öffentlichkeit als auch vor dem Gesetz war Auslöser der ersten Bürgerrechtsbewegun- gen der Afroamerikaner. . Sicherlich entstehen solche Bewegungen nicht schlagartig. Erst als Präsident Harry Truman 1949 per Dekret die Rassentrennung in der US-Armee aufhebt und 1954 der Oberste Ge- richtshof die Rassentrennung in Schulen untersagt, spürten die Schwarzen, dass Verände- rung möglich ist.

Zu Anfang waren es noch einzelne Protagonisten wie Rosa Parks mit ihrem Busstreik 1955, die gegen die bestehende Rassentrennung protestierten, doch bald darauf folgten eine Vielzahl an Bürgerrechtsbewegungen. Einer der bekanntesten ist die Black Power Bewegung.

Ursprung und Entstehung der Black Power Bewegung

Die Vorbedingungen der Black Power Bewegung – Umbruch im Denken

Wir begriffen, dass wir eine Massenbewegung der Schwarzen brauchten, von Schwarzen geführt und für Schwarze bestimmt. Wir mussten Mobilisierungstechni- ken, welche die intellektuellen Afrikas zu verwenden gelernt haben, übernehmen und auf unsere Verhältnisse anwenden, um mit ihrer Hilfe den ersten Schritt zu unserer Befreiung zu tun.

In der Zeit von 1945 bis 1960 fand ein Umbruch in der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA statt. Dies lag zu einem an dem Ende des zweiten Weltkrieges, woraufhin zahlrei- che kolonisierte Nationen die Unabhängigkeit erlangen wollten, so auch der Großteil der schwarzen Bevölkerung. Zum anderen gab es vier einschneidende Ergebnisse, die das Be- wusstsein von vielen Afroamerikanern beeinflusst haben.

Das erste Ereignis war die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes im Jahre 1954, die Rassentrennung an Schulen aufzuheben. Diese Entscheidung hatte sowohl positive als auch negative Folgen. Für die Schwarzen wurde das Urteil zum Instrument, die weiße Vorherr- schaft herauszufordern, da die De-Segregation eine große Zahl an bis dahin inaktiver Men- schen mobilisierte. Für viele Weiße jedoch war Rassenvermischung ein Dorn im Auge, da ihr „reines Blut“ sich nun mit dem Schwarzen vermischt. Eine direkte Folge war die Entste- hung von weißen Bürgerräten zur Bekämpfung der De-Segregation und zur Aufrechterhal- tung der weißen Vorherrschaft.

Das zweite Ereignis war der Busboykott von Montgomery 1965. Die Auslöserin des Boykotts war Rosa Parks, die trotz Aufruf des weißen Schaffners, ihren Platz für einen weißen Fahr- gast zu räumen und sich in den hinteren Teil des Busses zu begeben, sitzen blieb. Sie wurde daraufhin verhaftet und zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Schwarzen aus Montgomery boykottierten daraufhin jeden Bus und gingen oft kilometerweit zu Fuß zur Arbeit.

Das dritte Ereignis waren die Lynchmorde an dem sechzehnjährigen Emmett Till und an Charles Mack Parker. Die zunehmende Zahl von Mordversuchen und Attentaten gegenüber Schwarzen, die Hauptsächlich von Weißen verübt worden sind, machte den Afroamerika- nern bewusst, dass „die Zeit zum Handeln gekommen war.“

Das letzte Ereignis war die Integrationskrise an der Little Rock School im Jahre 1957. Nach- dem der Oberste Gerichtshof die Rassentrennung an Schulen aufgehoben hatte musste Präsident Eisenhower Bundestruppen zur Durchsetzung dieser De-Segregation einsetzen. Es waren diese vier Ereignisse, die das Bewusstsein vieler schwarzer Menschen nachhaltig beeinflusst haben und die Bereitschaft, etwas gegen diese „rassistischen“ Übergriffe zu unternehmen, steigerten.

Malcom X und die Nation of Islam

Nach dem Umbruch in der schwarzen Gesellschaft konnte vor allem Einer die Massen mit seiner Philo- sophie erreichen: Malcom X. Der als Malcom Little im Jahr 1925 in Omaha geborene Aktivist gilt als ei- ner der bekanntesten und einflussreichsten Perso- nen in der Bewegung der Schwarzen-Emanzipation der USA.

Nach einer schweren Kindheit und Jugend, in der er sein Vater bei einem Verkehrsunfall verlor und die Mutter wegen eines Nervenzusammenbruchs in eine psychiatrische Anstalt kam, wuchs er zunächst noch bei einer Pflegefamilie auf. Doch noch als Teenager zog er nach Boston, wo er in kriminelle Milieus geriet und schließlich 1946 nach Straftaten wie Drogenhandel und Einbrüchen zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde.

Die Zeit im Gefängnis nutze er für ein intensives Selbststudium, vor allem in Geschichte und Philosophie. Dort geriet er auch durch seine Mithäftlinge unter den Einfluss der Nation of Islam.

Die Nation of Islam war eine ausschließlich schwarze Organisation ohne Anbindungen an die Hauptströmungen des Islams. Die Mitglieder vertraten die Meinung, dass sich die Zeit der weißen Bevölkerung auf Erden zu Ende neigt und die Schwarzen somit die Pflicht hät- ten, sich von der weißen Gesellschaft abzusondern, da die schwarze „Rasse“ der Weißen überlegen wäre. So war die NoI (Nation oIslam) ein Netzwerk, dass Opfern von rassisti- schen Systemen Zuflucht und Unterstützung bot. Deshalb war sie so vielversprechend für viele schwarze Menschen, die den Rassismus tagtäglich erleben mussten, darunter auch Malcom X. Er war 14 Jahre lang Mitglied dieser Gesellschaft und wurde 1963 vom Anführer Elijah Muhammed zu Sprecher der Organisation ernannt.

Durch seine hohe Stellung innerhalb der Organisation und sein hohes Ansehen in der Öf- fentlichkeit mobilisiert Malcom X tausende Afroamerikaner in den USA. Denn seine Philo- sophie grenzt sich ab von herkömmlichen Bürgerrechtlern wie Martin Luther King. Er war radikaler und militanter in seinen politischen Ansichten. So strebte er nicht die Integration der Schwarzen in die weiße Bevölkerung an, sondern er war wie die NoI der Meinung, die schwarze Rasse sei der Weißen überlegen und sich somit distanzieren und abschotten soll. Weiterhin war er im Gegensatz zu Martin Luther King kein Verfechter prinzipieller Gewalt- freiheit. Deutlich wird dies vor allem in seiner berühmten Rede von 1964 „The Ballot or the Bullet“ (Wahlzettel oder Waffenkugel), wo er die Schwarzen auffordert, ihre Rechte wenn nötig auch mit Gewalt zu erkämpfen. 1964 wurde Malcom X auf Grund zu hoher Differen- zen aus der Nation of Islam ausgeschlossen. Er gründete bald darauf die Organisation Afro- Amerikanischer Einheit (OAAU), mit der er seine ursprünglichen Ziele weiter verfolgt und mit der er ebenfalls alle Menschen afrikanischer Herkunft vereinen will. Am 21. Februar 1965 wird Malcolm X während einer Rede von Mitgliedern der Nation of Islam aufgrund seiner kritischen Haltung gegenüber der NoI erschossen. Nach seiner Ermordung versank die OOAU bald in der Bedeutungslosigkeit. Malcolm X jedoch wurde zum Märtyrer einer ganzen Generation, der den Rassismus mit allen erforderlichen Mitteln bekämpft hat. Seine Philosophie und seine Ideen bleiben erhalten und werden bald darauf von anderen Bürgerrechtlern wieder aufgegriffen, darunter auch Stockely Carmichael.

Stockely Carmichael und die Rolle des SNCCDas Aufkommen des Begriffs Black Power

This is the twenty-seventh time I have been arrested – and I ain ́t going to jail no more! The only way we gonna stop them white men from whippin ́ us is to take over. We been saying freedom for six years and we ain ́t got nothin ́. What we gonna start saying now is Black Power! We … want … Black … Power!

In dieser Rede von 1966 verwendete Stockely Carmichael zum erstens Mal den Slogan „Black Power“. Er hielt sie aus einem Gefängnisfenster, denn kurz zuvor wurde er von State Troopers wegen Aufstellens eines Schlafzeltes auf dem Gelände einer High School verhaftet. Den darauf initiierten Protestmarsch des SNCC (Student Nonviolent Coordinating
Committee), bei der Carmichael führendes Mitglied war, und CORE, bei den auch viele Journalisten anwesend waren, nutzte Carmichael, um erstmals den Begriff Black Power zu verwenden. Bald darauf wiederholten die Menschen im ganzen Land begeistert den Slogan. Doch was bedeutet dieser eigentlich?

Eine Definition von „Black Power“ ist schwierig, denn je nach Standpunkt ergibt sich eine inhomogene Definition. Für die Schwarzen aus den Gettos war es am Anfang mehr ein wü- tender Slogan als ein klares Programm. Der Begriff dient für viele Afroamerikaner als Slogan für die jahrhundertealte Machtlosigkeit gegenüber den Weißen.

In den („weißen“) Medien hingegen verstand man den Begriff Black Power eher als offene Drohung den Weißen gegenüber, teilweiße sogar als „schwarzen Rassismus“.
Im nachfolgenden Kapitel soll die Philosophie und die Bedeutung von Black Power vom Initiator des Slogans, Stokely Carmichael, erklärt werden.

Die Philosophie von Stockely Carmichael
Nach mehreren Jahren der Verwirrung um den Slogan „Black Power“ brachte Stockely Car- michael 1969 das Buch „Black Power. Die Politik der Befreiung in Amerika“ heraus, in dem er seine Ansichten von Black Power und seine Philosophie zu erklären versucht. Als Basis seiner Philosophie dienen die Grundgedanken von Malcolm X, der deshalb oft als Vorläufer der Black Power Bewegung genannt wird.

Der erste essentielle Bestandteil der Black Power Philosophie ist die Selbstdefinition der Afroamerikaner, genauer gesagt die Neudefinierung von Werten, Überzeugungen und In- stitutionen. Die Schwarzen in Amerika müssen ein neues Bild des schwarzen Menschen schaffen. Dazu ist es nötig, die eigenen Begriffsbestimmungen durchzusetzen, die eigene Geschichte und Kultur zu beanspruchen und ein eigenes Empfinden für Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit zu entwickeln. Ihnen muss klar werden, dass ihre Geschichte weiter zurückreicht als bis zu ihrer gewaltsamen Versklavung in den USA.

Stockely Carmichael ist der Ansicht, dass die schwarze Bevölkerung in zunehmenden Maße aktiv sein wird, wenn sie feststellt, dass ihr rückläufiger Status weitgehend durch Wertbe- griffe und Institutionen bedingt ist. Deshalb ist es unbedingt erforderlich, dass sie ihre Wur- zeln kennen und ein Bewusstsein von ihrem kulturellen Erbe entwickeln.

Der zweite Punkt nennt Carmichael den „Prozess politischer Erneuerung“. Es sei ein Vor- gang, der stattfinden muss, wenn die Gesellschaft vom Rassismus befreit werden soll. Dazu gehört laut ihm neben der Suche nach neuen und anderen Formen politischer Struktur zur Lösung politischer und wirtschaftlicher Probleme die Verbreitung der Basis politischer Mit- wirkung. Das bedeutet, dass die schwarze Bevölkerung sowohl politisch wach und aktiv wird als auch in den Prozess der Entscheidungen einbezogen wird, sodass letzten Endes politische Erneuerung in Bewegung kommt. Ein weiterer Punkt des Programms von Black Power ist die Auffassung und Deutung des Begriffs Integration. Für Carmichael ist die Integration der Afroamerikaner in die Gesellschaft nur ein Vorwand für die Aufrechterhaltung weißer Vorherrschaft. Es bestärkt die Vorstellung, weiß sei automatisch überlegen und schwarz schon im Begriff minderwertig. Die Integration würde die schwarze Gemeinschaft zerstören, da diese ihre Identität als Schwarze abschwören müssten. Als Beispiel hierfür kann man die Integration von schwar- zen Kindern in weiße Schulen nehmen. Hierbei würde man die schwarzen Kinder aus den schwarzen Gemeinwesen herausnehmen, um sie den Wertbegriffen des weißen Mittel- standes auszusetzten. Das Ziel aber soll sein, das schwarze Gemeinwesen aufzubauen und zu stärken. Dies ist der wesentliche Unterscheid zwischen Integration, wie sie damals prak- tiziert wurde, und dem Programm von Black Power.

Der zentrale Schlüsselbegriff aber ist die Strategie der Selbstverteidigung. Während die Af- roamerikaner stets friedliche und vor allem gewaltlos Märsche, Demonstrationen und Sitz- streiks veranstalten, geht die Gewalt immer vom weißen Mob aus. Laut Carmichael sind die Zeiten, in denen die Weißen ungestraft Prügel aussteilen können, nun vorbei. Schwarze sollen und müssen zurückschlagen.

„Wenn ein Staat seine Bürger nicht schützt“, so Carmichael, „ darf er nicht diejenigen Ver- urteilen, die diese Aufgabe selber übernehmen. Der gewaltlose Weg zu den Bürgerechten ist ein Weg, den die Schwarzen sich nicht leisten können, und ein Luxus, den die Weißen nicht verdient hätten.“

Als dieser Punkt von Black Power bekannt wurde, hatten viele Leute sofort Bilder von Ge- waltanwendung im Kopf. Wie bereits erwähnt assoziierten die Weißen Black Power als of- fene Drohung ihnen gegenüber, und viele fühlten sich in ihrer Meinung bestätigt, als nun zahlreiche Schwarze den Aufruf Carmichaels folgten und Gewalt anwendeten.

Alles in allem ist es dieser Punkt der Selbstverteidigung, der die Black Power Bewegung von standardisierten Bürgerrechtsbewegungen unterscheidet. Jedoch waren die Ziele im Ansatz jedoch die gleichen. Zwar strebten die Mitglieder der Black Power Bewegung ähn- lich wie Malcom X nicht die Integration der Schwarzen in die weiße Gesellschaft an, trotz- dem forderten sie wie sämtliche andere Bewegungen die Bekämpfung aller Nöte der Schwarzen. Dazu gehörten unter anderem die Verbesserung der Lebens- und Wohnbedingungen in den Ghettos als auch die Senkung der Arbeitslosigkeit der Schwarzen.

Die Black Power Bewegung im Profisport

Zweifelsfrei erhielt die Black Power Bewegung durch ihren revolutionären Grundgedanken besondere Aufmerksamkeit in den USA. Doch auch International wurde die Bürgerrechts- bewegung bekannt und sorgte häufig für Schlagzeilen. Grund hierfür ist der Sport, den die Anhänger der Black Power Bewegung nutzen, um Aufmerksamkeit für ihre Organisation zu erhalten – und das mit Erfolg. Das bekannteste, berühmteste und wichtigste Ereignis waren die olympischen Spiele 1968 in Mexico City, doch auch andere Sportevents sorgten für das Bekanntwerden der Black Power Bewegung.

In den folgenden Kapiteln werden die einzelnen Ereignisse geschildert und anschließend analysiert.

Die olympischen Spiele 1968 – Ablauf und Analyse des Protestes

Am 16. Oktober 1986 standen Tommie Smith und John Carlos, beide schwarze US-Sportler, im 200 Meter Finale. Smith gewann dieses Rennen mit 19,83 Sekunden – ein neuer Welt- rekord. Carlos landete mit 20,1 Sekunden auf dem dritten Platz hinter den Australier Peter Norman. Doch die eigentliche Show begann erst nach dem Rennen, denn bei der anschlie- ßenden Siegerehrung sorgten Smith und Carlos mit einem Protest für die Menschenrechte und gegen Rassendiskriminierung für einen noch nie gegeben Eklat.
Beide Sportler strecken eine schwarzbehandschuhte Faust in den mexikanischen Nacht- himmel. Die anschließenden Buh- und Jubelrufe sorgen dafür, dass weitere symbolische Merkmale des Protestes untergehen, weshalb den meisten Menschen nur die Fäuste in Erinnerung geblieben sind. Doch es steckte weit mehr Symbolik in dem Protest.
So trugen beide Sportler keine Schuhe und nur schwarze Socken, als sie das Podest betra- ten. Weiterhin hatte Smith einen schwarzen Schal um den Hals und Carlos trug neben einer Perlenkette auch seine Jacke offen, was ein herber Verstoß gegen die olympischen Regeln war. Als letztes hatten beide Sprinter einen Anstecker des OPHR (Olympic Project for Hu- man Rights) an ihren Jacken stecken.

Bei einer anschließenden Pressekonferenz, bei der kein IOC-Vertreter teilnahm, erklärten sie die Symbolik ihres Protestes. Smiths rechte Hand stand für die Macht, Carlos linke Hand stand für die Geschlossenheit des schwarzen Amerika. Beide zusammen spannten sie einen

Bogen der Einheit und Macht. Den Schal, den Smith trug, symbolisierte den Stolz der Afro- amerikaner. John Carlos offene Jacke repräsentierte die Schichtarbeiter, die sogenannten „Blue Collar People“ und durch seine Perlenkette gedachte er den Menschen, die gelyncht oder einfach so ermordet worden waren und für die keiner ein Gebet sprach. Die schwarzen Strümpfe ohne Schuhe der beiden Athleten standen für die schwarze Armut im rassistischen Amerika. Weiterhin trugen beide Sportler einen Anstecker des OPHR („Olympic Project for Human Rights“), dessen Bedeutung später genau erläutert wird.

Reaktionen

Durch ihren Protest sorgten Smith und Carlos für einen noch nie vorgekommen Skandal. Nur Stunden später verurteilte das IOC den Protest als bewusst schweren Verstoß gegen die Prinzipien des olympischen Geistes. Laut Regel 61 der olympischen Charta sind alle po- litischen, religiösen oder rassistischen Demonstrationen oder Propaganda an den olympi- schen Sportstätten untersagt. Fest entschlossen, an der Trennung von Sport und Politik festzuhalten, verlangte es die sofortige Suspendierung der beiden Sprinter. Als das Natio- nale Olympische Komitee der USA sich weigerte, drohte das IOC, das gesamte US-Team zu sperren. Tags darauf mussten Tommie Smith und John Carlos aus Mexico ausreisen und wurde lebenslang gesperrt. Die Proteste gingen jedoch nach dem Ausschluss von Smith und Carlos an den folgenden Tagen weiter – allerdings im kleineren Rahmen. So tragen die afroamerikanischen 400m Medaillengewinner Lee Evans, Larry James und Ron Freeman alle ein schwarzes Beret, um ihre Solidarität zu bekunden. Erst beim Verlassen des Stadions zeigen auch sie den Black Power Gruß. Alle drei Läufer wurden ebenfalls kurz darauf nach Hause geschickt. Bei der Siegerehrung im Weitspring standen die schwarzen Sportler Bob Beamon und Ralph Boston aus Protest gegen die Behandlung von Smith und Carlos ebenfalls ohne Schuhe und in schwarzen Strümpfen auf dem Podest. Die kubanischen Staffeln widmeten ihre Silbermedaillen über 4x100m Harry Edwards und dem Olympic Projekt for Human Rights.

Gesellschaftlich gesehen sorgte der Protest für großen Zündstoff. So gab es sowohl nega- tive als positive Reaktionen, mit denen die Athleten zu kämpfen hatten. Bei ihrer Rückkehr wurden sie von tausend Menschen jubelnd empfangen. Es folgte eine Vielzahl von Tele- grammen, die Smith und Carlos zu ihrer Aktion beglückwünschten und ihre Solidarität aus- sprachen. Jedoch gab es nicht nur Widerhall. Während die Presse die erhobenen Fäuste mit dem Hitlergruß verglich, wurden die beiden Athleten von den amerikanischen Sport- funktionären jahrelang geschnitten. Ebenso erhielten sie zahlreiche Morddrohungen. Die persönliche Beziehung zwischen den Männern litt stark unter den enormen Druck. Carlos Ehefrau hielt die Anfeindungen und den Druck nicht mehr aus und beging Selbstmord.

Noch Jahre darauf hatten Smith und Carlos mit den Umständen zu kämpfen. Zwar bereute keiner der beiden ihr Handeln, doch die Sperre bedeutete nicht nur erhebliche finanzielle Einbußen, sondern brachte beide auch um die Chance, ihr volles Potential auszuschöpfen. So war es vor allem Tommie Smith, der sich oft fragte, wie sein Leben verlaufen wäre, wenn er seine aktive Karriere hätte fortsetzen können. „ Niemand ist je die 200 Meter unter 19 Sekunden gelaufen. Aber ich weiß, ich hätte es schaffen können, wenn ich weitergelaufen wäre“, so Smith.

Beide Athleten schlugen eine Football Karriere ein und wurden Leichtathletiktrainer, doch der große Durchbruch blieb aus. Trotzdem werden Smith und Carlos mit den Jahren immer mehr zu Helden. Smith wurde bereits 1978 in die Leichtathletik- Hall-of-Fame aufgenom- men und Carlos erhielt dort seinen Platz 2003. 2008 werden beide mit dem „Arthur Ashe Courage Award“ geehrt.

Hintergrund – Harry Edwards und das OPHR

Die olympischen Spiele waren eine Plattform, die ich auf Grund meiner Leistungen nutzen konnte, um der Welt klarzumachen, was in diesem Land los war. Es ging nicht, sie nicht zu nutzen. Aber um sie nutzen zu können, musste ich das Rennen gewinnen. Ich durfte es auf keinen Fall verlieren. Hätte ich das Rennen verloren, hätte ich alles verloren.

Bereits im Vorfeld der olympischen Spiele planten Tommie Smith und John Carlos, dass sie bei einen Protest veranstalten würden, in welcher Form jedoch war noch unklar. Voraus- setzung aber war der Gewinn der Goldmedaille. Denn nur so würden sie die Aufmerksam- keit bekomme, die für ihren Protest essentiell war. Hätte er nicht gewonnen, so Smith, hätte er alles verloren. Er wusste im Vorfeld, das die olympischen Spiele eine ideale Platt- form war, um die Aufmerksamkeit einer möglichst großen Menschenmasse zu erlangen. Die eigentliche Idee eines Protestes stammte aber nicht von Smith selber, sondern von Harry Edwards, ein Dozent für Soziologie an der San José State College und Gründer der Organisation Olympic Project for Human Rights – kurz OPHR.

Das OPHR war eine Menschenrechtsorganisation, die im Herbst 1967 gegründet wurde. Zu ihren Zentralen Forderungen gehörte die Rückgabe des Weltmeistertitels an Muhammed Ali, die Absetzung des IOC-Präsidenten Avery Brundage, der wegen seinem rassistischen Verhalten von den schwarzen Sportlern oft nur als „Avery Slavery“ oder „Avery Bondage“bezeichnet wurde und der Ausschluss Südafrikas von den Olympischen Spielen wegen der dortigen Apartheidpolitik. Sollte Südafrika dennoch an den olympischen Spielen teilneh- men, drohte das OPHR mit der Austragung separater Spiele für ausschließlich schwarze Sportler. Daraufhin revidierte das IOC seine Entscheidung und lud Südafrika nicht zu den Spielen ein. Offiziell hieß es, dass man sich um die Sicherheit der südafrikanischen Sportler in Mexiko sorgte. Der Ausschluss Südafrikas von den Spielen galt als sehr großer Erfolg für das OPHR.

Als die Sommerspiele in Mexiko-Stadt nähere rückten, rief das OPHR alle schwarzen Athle- ten dazu auf, die Spiele zu boykottieren um somit ein Zeichen gegen die rassistische Be- handlung von Afroamerikanern in den Vereinigten Staaten zu setzten. Zu viele Sportler wa- ren aber nicht bereit, auf den möglicherweise größten Wettkampf ihrer Karriere zu verzich- ten. Die Athleten hofften, dass der Gewinn einer Medaille den Rassismus überwinden oder sie davor schützen konnte. Daraufhin forderte das OPHR jeden Einzelnen dazu auf, einen Beitrag zu leisten, zu dem er sich im Stande fühlt. Sowohl das IOC als auch das US-Trainerteam versuchten, Smith und Carlos von einer ge- planten Demonstration abzuhalten. IOC-Präsident Brundage schickte sogar Sportlegende Jesse Owens zu den beiden Athleten, um ihnen einen Protest auszureden. Zwar hörten sie Owens respektvoll zu, aber auch er konnte die Aktion nicht verhindern.

Während ihres Protestes trugen Smith und Carlos einen Button des OPHR. Was jedoch kaum jemanden auffiel war, dass auch der Australier und Silbermedaillengewinner Peter Norman einen Anstecker der OPHR an seiner Brust hatte. Im Wartebereich der Athleten vor der Siegerehrung unterhielten sich Smith und Carlos mit Norman. Als er erfuhr, was die beiden vorhatten, sagte er: „Ich werde bei euch stehen. Ich glaube an dieselbe Sache wie ihr. Habt ihr noch so einen [Button]?“ Tommie Smith gab später zu, dass ihm diese Frage sehr überraschte. Dennoch antwortete er Norman, er hätte keinen zweiten Anstecker mehr, er jedoch noch genug Zeit hätte, um sich einen zu besorgen. Draußen vor dem Wartebereich begegnete Norman den Ruderer Paul Hoffman, einer der wenigen weißen US-Amerikaner, die die Forderungen des OPHR unterstützen. Dieser schenkte ihm seinen Anstecker. Für Peter Norman hatte seine Solidaritätsbekundung massive Konsequenzen. Die australischen Medien schnitten ihn und er wurde trotz der schnellsten Qualifikationszeit für Australien nicht für die olympischen Spiele 1972 nominiert. Er und seine Familie wurden öffentlich verachtet und verloren ihre Arbeitsplätze. Selbst bei der Heimolympiade 2000 in Sydney wurde er nicht von den Organisatoren eingeladen. Als die Amerikaner davon erfuhren, luden sie ihn ein, bei den Spielen ihr Gast zu sein.

Hätte Norman sich öffentlich für seine Tat entschuldigt, hätte er vermutlich ein normales Leben führen können. Doch er fand nie auch nur ein Wort des Bedauerns für seine Tat. 2006 starb er an einem Herzinfarkt, praktisch unbemerkt von der Öffentlichkeit. Smith und Carlos erwiesen ihm bei seinem Begräbnis die letzte Ehre und trugen seinen Sarg.

Carlos bemerkte bei diesem Anlass: „ Nicht jeder Weiße hätte den Mumm, die Nerven und das Rückgrat besessen, dort zu stehen. Wir wussten, dass das was wir vorhatten, weitaus mehr war als jede sportliche Leistung. Er sagte: Ich stehe zu euch (…) [Als die Menge rea- gierte] zuckte Peter keinen Moment zurück. Er wandte nicht die Augen, drehte nicht denKopf. Er sagte nicht einmal Au.“ Norman hält mit seinen 20,06 Sekunden immer noch den australischen Landesrekord über 200m.

Die olympischen Spiele 1972 – der vergessene Protest

Auch vier Jahre später kam es bei den olympischen Spielen in München zu einem Eklat
während der Siegerehrung. Die beiden schwarzen US-Sprinter Vince Matthews und Wayne Collett, Erst- und Zweitplatzierte über 400m, standen barfuß auf dem Podest und ignorierten demonstrativ ihre Nationalhymne. Stattdessen unterhielten sich die beiden Sportler, lachten herzlich und kehrten der amerikanischen Flagge den Rücken zu. Matthews und Collett distanzierten sich anschließend zunächst noch von den Behauptungen, die von einer bewussten politischen Geste sprachen. Dennoch wurden beide vom IOC lebenslang gesperrt. Später gab Collett zu, sehr wohl für die Black Power Bewegung protestiert zu haben.

Zweifelsfrei war es ein eher harmloser Protest im Vergleich zu den von Tommie Smith und John Carlos 1968. Ebenso wurde die Aktion von dem Olympia-Attentat der palästinensischen Terrororganisation auf die israelische Mannschaft überschattet, bei der 17 Meschen ums Leben kamen. Deshalb wird der Protest von Matthews und Collett oft als „vergessener Protest“ bezeichnet.

Das Ende der Black Power Bewegung

Nach den olympischen Spielen 1972 verschwand die Black Power Bewegung zunehmend sowohl im Sport als auch in der Öffentlichkeit, jedoch nicht im Bewusstsein der afroameri- kanischen Bevölkerung. Die bereits 1966 von den Studenten Huey Newton und Bobby Seale gegründete Black Panther Party (BPP) wurde zur prominentesten Organisation, die die Leit- gedanken von Black Power weiterführte und ausweitete. Die Partei kombinierte vor allem den Sozialismus mit schwarzen Nationalismus und vertrat das Recht der Afroamerikaner auf bewaffnete Selbstverteidigung gegen die Willkürliche Polizeigewalt und die Übergriffe rassistischer weißer Mobs. Die Mitglieder der Partei nutzten Lücken in den gesetzten, um mit offen getragener Waffe vor der Polizei zu protestieren. Aber auch die Black Panther Party zersplitterte während der 1970ger Jahre, und viele der führenden Mitglieder wechselten zu friedlicheren Mitteln, um ihre Ziele zu erreichen.

Auch wenn die Präsenz von Black Power im Laufe der Jahre abgenommen hatte, so kann man nicht von ei- nem expliziten Ende sprechen. Noch immer findet man Black Power direkt oder indirekt im Sport und in der Gesellschaft. Als bestes Beispiel fungiert hierbei Michael Bennett, Defensiv Line der Seattle Seahawks in der NFL, der einen gelungenen Sack mit der schwarzen Black Power Faust bejubelte. „Die erhobene Faust repräsentiert Einheit und Solidarität mit unterdrückten Menschen“, so Bennett. Hintergrund seiner Aktion waren die „Nazi-Krawalle“ in Charlotsville in Virginia. Bei einer Demonstration gegen den Aufmarsch von rechtsextremen Neonazis war ein Auto mit erhöhter Geschwindigkeit in die Gruppe der Demonstranten gefahren und tötete einen Menschen.

Fazit und Schlussgedanke

Fast 40 Jahre nach der Black Power Bewegung scheint die Rassendiskriminierung in den USA endgültig überwunden zu sein. Am 20. Januar 2008 wird Barack Obama zum 44. Präsi- denten der Vereinigten Staaten vereidigt. Es ist ein historischer Moment, denn Obama ist zugleich der erste afroamerikanische Präsident in der Geschichte der USA. Für viele Men- schen ist er eine Symbolfigur für die Überwindung der Jahrhundertelangen Rassendiskriminierung. Mit Obama scheint dieser Konflikt nun beseitigt zu sein – doch der Schein trügt. Rassistische Praktiken und Vorurteile gegenüber Afroamerikanern finden noch immer Ein- klang in der amerikanischen Gesellschaft in allen Lebenslagen. Dazu gehören nicht nur di- rekte, sondern vor allem indirekte Handlungen wie zum Beispiel die Polizeigewalt gegen- über Afroamerikanern. Eine Untersuchung der britischen Guardian zum Thema Polizeige- walt in den USA kam zu dem Ergebnis, dass 2015 neunmal mehr junge schwarze Männer getötet wurden als andere US-Amerikaner. Weiterhin herrscht immer noch soziale Ungleichheit zwischen den ethnischen Gruppen. Ein Beispiel hierfür wäre der große Einkommensunterschied zwischen Weißen und Schwarzen Personen. Mehr als die Hälfte der schwarzen Haushalte haben pro Jahr weniger als 35.000 Dollar zur Verfügung. Grund hierfür ist auch der Bildungsunterschied, bei dem schwarze häufiger keinen Schulabschluss haben als Weiße.

Fakt ist: die Rassendiskriminierung in USA ist noch lange nicht überwunden. Zweifellos aber hat sich die Situation der Afroamerikaner massiv verbessert, wohl auch durch die Black Power Bewegung. Was als kleine Rede von Stockely Carmichael aus einem Gefängnisfens- ter begann, entwickelte sich in kürzester Zeit zum landesweiten Phänomen. Black Power elektrisierte die afroamerikanische Bevölkerung und gab ihnen das Gefühl von Stärke, und dass zunächst ohne konkrete Definition. Erst Carmichaels Buch „Black Power. Die Politik der Befreiung in Amerika“ brachte 1969 Klarheit hinter diesen Begriff, doch die Bewegung war längst schon auf ihrem Höhepunkt. Essentialistischer, wenn nicht sogar primären Bestand- teil am Erfolg an Black Power hatte zweifelsfrei der Sport. Vor allem die Aktion von Tommie Smith und John Carlos steigerte den Bekanntheitsgrad der Bewegung sowohl national als auch international. Beide Sportler gingen als Männer in die Geschichte ein, die den Sport nutzen, um auf das Menschenrecht der Gleichberechtigung aufmerksam zu machen und die Missstände in ihrem Land anzuprangern, mit dem Bewusstsein, dass ihr Handeln sie wohl um ihre noch junge Karriere bringen könnte. Der Sport diente hierbei als ideale Bühne für ihr Vorhaben. Weltweit erhielt die Rassendiskriminierung in den USA die Aufmerksam- keit, die sich Smith und Carlos erhofft haben. Ihre einzige Absicht war es, die Ungleichheit in ihrem Land der Welt zu vermitteln – mit Erfolg. Ihr Protest findet bis heute Widerhall. Doch nicht nur ihre Revolte, auch zahlreiche andere Sportler nutzen den Sport als politische Bühne, um eine Vielzahl von Menschen auf Black Power Aufmerksam zu machen. Bis heute ist die schwarze Black Power Faust ein Symbol für Stärke für viele Afroamerikaner in der anhaltenden Rassendiskriminierung. „Das ist nichts, was man ins Regal stellen und verges- sen kann. […] [Rassendiskriminierung] ist noch nicht erledigt und wird uns auch in Zukunft beschäftigen“, sagte Tommie Smith.

Quellenverzeichnis und Literaturangabe

 In gedruckter Form

Armendt, Gerhard (1970). Black Power. Dokumente und Analysen. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.

Carmichael, Stockely; Hamilton Charles V. (1969). Black Power. Die Politik der Befreiung in Amerika. Frankfurt am Main: Fischer Bücherei

Stradling, Jan (2012). Wenn Sport Geschichte schreibt. Hamburg: National Geographic

Weigel, Marius (1995). Die Entstehung und Entwicklung der „Black Power“– Bewegung. Die Rolle von Stockely Carmichael und des SNCC, 1965-1970. München: GRIN Verlag
aus: https://www.grin.com/document/101932

Aus dem Internet

  •   https://bleacherreport.com/articles/40675-iconic-olympic-moments-the-black- power-salute (zuletzt aufgerufen am 19.10.2018)
  •   http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/201549/1965-ermordung-von- malcolm-x (zuletzt aufgerufen am 28.9.2018)
  •   http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/143786/olympia-1972-geisel- nahme-04-09-2012 (zuletzt aufgerufen am 27.10.2018)
  •   https://diefreiheitsliebe.de/kultur/olympische-spiele-1968-der-unbekannte- dritte/ (zuletzt aufgerufen am 24.10.2018)
  •   https://www.dw.com/de/mexiko-1968-black-power-auf-dem-siegerpodest/a- 3453034 (zuletzt aufgerufen am 19.10.2018)
  •   https://www.focus.de/politik/ausland/us-stadt-charlottesville-auto-faehrt-in- gruppe-von-gegendemonstranten-bei-nazi-demo_id_7465557.html (zuletzt aufge- rufen am 27.10.2018)
  •   https://www.germanseahawkers.com/michael-bennett-laut-und-stark-13/ (zuletzt aufgerufen am 27.10.2018)
  •   https://www.hdg.de/lemo/biografie/barack-obama.html (zuletzt aufgerufen am 30.10.2018)

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

Ein Kommentar zu “Die Black Power Bewegung im Profisport

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