Lonzo Ball – Big Baller oder Big Bust?

Mit riesigen Vorschusslorbeeren kam Lonzo Ball in die NBA. Sein Vater Lavar Ball sorgte mit seiner lauten Art schon Monate vor der Draft 2017 für einen riesigen Medienrummel um den UCLA Athleten. Nur für die Lakers werde er spielen, so der Wortlaut des exzentrischen Vaters. Als diese ihn dann wirklich an Position zwei im Draft auswählten, kündigte Magic Johnson an, dass Balls Nummer eines Tages unter dem Dach des Staple Centers hängen würde. Gewaltige Vorschusslorbeeren für einen damals erst 19-jährigen. Zu allem Überfluss wurde auch noch die Big Baller Brand aus dem Leben gerufen und machte lediglich mit unverschämt hohen Preisen auf sich aufmerksam. Wer sich diese nicht leisten könne, wäre auch kein Big Baller hieß es von Seiten seines Vaters. Spätestens jetzt waren die Sympathien des gemeinen NBA Fans im Keller, wenn es um die Personalie Lonzo Ball ging. Sein komischer Wurf und eine allgemein eher bescheidene Rookie Season komplettierten dieses Bild und Lonzo wurde abgeschrieben. Speziell als die Lakers ihn im Sommer 2019 nach New Orleans im Trade für Anthony Davis schickten. Wo aber steht Lonzo Ball im Jahr 2020? Ist er auf dem Weg ein Big Baller zu werden, oder wird er als Bust in die Geschichte eingehen?

Lonzo Ball of the New Orleans Pelicans: (Photo by Alex Goodlett/Getty Images)

Geht es heute um die Betrachtung Balls, so scheiden sich die Geister. Die einen halten ihn für das auf Instagram mittlerweile berühmte Meme, welches ihn mit dem 2k Spielmodus „MyCareer“ vergleicht und dazu schreibt, er habe zu viele Virtual Coins in seine Tattoos und nicht in seine spielerische Fähigkeit gesteckt. Ein reiner Blick in die Statistiken bestätigt diesen Eindruck. In seiner Rookie Season legte er über 34,2 Minuten 10,2 PPG, 7,2 APG und 6,9 RPG auf. Diese Saison sind es in 32,4 Minuten 12,4 PPG, 7,0 APG und 6,2 RPG. Kritiker würden hier nun anführen, dass sich Lonzo praktisch verschlechtert hätte. Doch wie so viele Kritiker macht man es sich mit diesem Argument zu leicht. In seiner nunmehr dritten Saison sind die Vorraussetzungen gänzlich andere. In Los Angeles war es direkt „sein Team“ auf ihm lag der gesamte Fokus der Medien und Fans. Er sollte die seit Jahren chronisch erfolglose Franchise wieder ins gelobte Land führen. Nachdem Brandon Ingram im Jahr zuvor auch an zwei gedraftet wurde und ebenfalls keine gute Rookie Season spielte, galt es also an Lonzo. Einem 20-jährigen verletzungsanfälligen Spieler, der Offensiv kaum ein Skillset zu besitzen schien. Sein Dreier sah komisch aus und fand sein Ziel nicht (30,5% 3FG), sein Drive war quasi nicht existent und wenn er zum doch dazu ansetzte, reichte es eigentlich ihn zu foulen, denn über seine damaligen Freiwurfquoten (45,1%) kann selbst ein Dwight Howard lachen.

Ein Jahr später verpflichten die Lakers in LeBron James den größten Basketballer der letzten zehn Jahre. Ein Spieler, der Lonzo den Ball wegnimmt und ihn somit seiner größten Stärke beraubt. Seine Zahlen gehen dementsprechend runter und die Lakers spielen eine enttäuschende Saison. Also musste ein weiterer Star zu dem Team stoßen. Ein Star in Person von Anthony Davis. Brandon Ingram, Josh Hart und eben Lonzo Ball mussten dafür weichen. Aus heutiger Sicht ein Segen für alle.

Davis und LeBron können endlich gemeinsam auf Titeljagd gehen, Ingram und Ball entwickeln sich abseits des Trubels von Los Angeles zu wichtigen Spielern bei den Pelicans. Den Pelicans, die nicht mal einen Monat zuvor mit Zion Williamson das wohl größte Talent seit LeBron im Draft geholt hatten. Plötzlich spielt Ball wohl im spannendsten Team der Liga, hat keinen Druck und die richtigen Mitspieler um sich herum. Musste er zu Beginn der Saison noch die Bench Unit anführen, so rückte er nach und nach in die Starting Formation und darf endlich seine größten Stärken ausspielen. Obwohl es an seinen Scoringqualitäten weiterhin berechtigte Zweifel gibt, sind seine Passqualitäten dafür unbestritten. Mit Jackson Hayes und Zion hat er zwei Waffen, die er via Lob bedienen kann. Jrue Holiday, JJ Reddick und Nicolo Melli sind exzellente Schützen und verschaffen ihm mehr Raum. Zusätzlich hat er in einem selbstbewusst auftretenden Brandon Ingram einen All-Star an seiner Seite. Aufgrund der lang andauernden Verletzungspause von Zion zu Beginn der Saison, haben die Pelicans zwar mit einer Bilanz von 28-36 aktuell 3,5 Spiele Rückstand auf die Playoffs, doch die heute (03.06.2020) veröffentlichten Pläne von Adam Silver sehen noch acht weitere Regular Season Partien vor. Sofern man keinen Rückstand von vier Spielen auf die Grizzlies danach hätte, könnte man sogar im Play-In-Turnier als neuntplatzierter teilnehmen.

Wichtiger Faktor für vermeintliche Playoffs ist die Defense. An diesem Ende des Felds machen wenige Guards Ball etwas vor. 1,4 Steals und 0,5 Blocks schreien nicht gerade nach DPOY, aber mit seinen langen Armen und schnelle Beinen schafft er es jeden Gegenspieler vor sich zu halten und erschwert nahezu jeden Wurf. Lonzo Ball könnte in den Playoffs nochmals zu einem ganz wichtigen Faktor werden, denn dort wird die Pace bekanntlich langsamer und die Verteidigung intensiver. Hier würden ihm dann seine hervorragenden Rebound Qualitäten zugute kommen, denn er könnte so direkt Fastbreakpunkte forcieren und müsste nicht erst auf das Zuspiel eines Bigs warten. Anders als ein Russell Westbrook, dem vermutlich besten Allround Point Guard, besitzt Ball seit dieser Saison auch noch einen mehr als respektablen Dreier. Pro Spiel drückt er 6,5 mal vom Perimeter ab und trifft diese mit soliden 38,3%. Auch hier hilfreich für die Playoffs, da man Williamson dann noch weniger doublen sollte, da ein freistehender Zo dies mittlerweile bestraft.

Ball wird vermutlich nie ein All-Time Great werden, manche werden nun behaupten, dass dies, gemessen an seinem Wirbel vor seiner Rookie Season, enttäuschend ist. Vielmehr könnte Ball ein neuer Rajon Rondo mit besserem Wurf werden. Und wie wichtig dieser Spielertyp ist, haben die 2008er Finals gezeigt, als dieser nach Paul Pierce der beste Spieler der Kelten war. Was Ball aber mitbringt ist eine hervorragende Verteidigung, die Fähigkeit ein Spiel so zu lesen, wie es nur extrem wenige können, ein mittlerweile solider Wurf und Athletik. Zwar findet sein Spiel offensiv fast nicht in Ringnähe statt, doch als boarderline Star oder 3.-4. Option, würde ihn sicherlich jede Franchise gerne haben. Er könnte somit zum Königsmacher zukünftiger Champions werden. Zwar wurde er 2017 etwas zu hoch gepickt (wir haben ihn in unserem Redraft von 2017 an Position 6 gezogen https://open.spotify.com/episode/2tNzrLII7t451KIr1i9ncYsi=I2K6rMpkT6idvch2ezL3Eg), doch er ist weit davon entfernt ein Bust zu sein. Viele machen ihn oftmals schlechter als er ist. Ein Big Baller ist er aber irgendwo auch keiner. Lonzo Ball ist schlicht und ergreifend einfach Lonzo Ball. Weder ein Heilsbringer noch ein Bust. Lediglich ein 22 Jahre alter, talentierter Aufbauspieler, der den Sozialen Medien zum Opfer viel.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: