Fab Five – Der beste Freshmanjahrgang aller Zeiten

Wenn man sich auf den heutigen Freiplätzen umsieht, so zocken die meisten in weiten, bis zu den Knie reichenden Shorts. Denkt man jedoch an die 80er und früher zurück, so trugen damals alle Basketballer unglaublich enge und kurze Hosen, wie sie heute keiner mehr tragen würde. Ice Cube fasste es einst treffend zusammen: „Dudes were just wearing panties out there“. Diese „panties“ waren solange Mode, bis fünf Freshmans in Michigan dem Trend ein Ende setzten, die NCAA auf den Kopf stellten und uns aus heutiger, modischer Sicht erlösten.

Was braucht ein Team, um auch noch Jahrzehnte später als „legendär“ abgefeiert zu werden? Bestimmte Spieler? Einen überlegenen Gegner? Meistens jedoch müssen Titel her. So wird kaum jemand die Showtime Lakers, die Cavs 2016 oder Jordan Bulls vergessen, doch ein Team ohne Titel, dazu noch am College? Eher schwer vorstellbar, aber so geschehen in den 90er Jahren. Besser gesagt der 1991 Freshman Jahrgang der University in Michigan, bekannt unter dem Namen „Fab Five“.

Chris Webber, Juwan Howard, Jalen Rose, Jimmy King und Ray Jackson wurden allesamt wie Stars am College abgefeiert, polarisierten und setzten Trends. Verachtet von der einen Seite, geliebt von der anderen, wollten sie jedoch eigentlich nur Basketball spielen.

Webber und Rose wuchsen beide in Detroit auf und kannten sich bereits seit Kindheitstagen. Howard, der Webber bei einem Highschool-All-Star-Game kennenlernte, überredete diesen sich ihm anzuschließen und auch für die Michigan University aufzulaufen. Howard hoffte indes, dass Webber auch Rose überreden könnte, da alle drei zu den zehn besten Highschool Prospects zählten (1 Webber, 4 Howard, 9 Rose). Dazu gesellten sich mit King und Jackson zwei weitere Top 100 Highschooler.

Zu Beginn ihrer ersten Saison, weigerte sich ihr Coach noch, alle gemeinsam starten zu lassen. Speziell wollte er hier den Veteranen des Teams nicht vor den Kopf stoßen. Als großmäulig und hochnäsig sind die Frischlinge in ihren Baggy-Shorts verschrien.

So kam es bereits nach fünf Spielen zum Clash mit dem amtierenden NCAA-Champion Duke um deren Superstars Grant Hill und Christian Laettner, zwei Superstars, die der komplette Gegenentwurf zu Michigans neuen Stars bilden.

So traut niemand den Wolverines etwas zu, was diese nur noch mehr anstachelt. Eine persönliche Angelegenheit sei es für diese gewesen, da Dukes Spieler aus ihrer Sicht schnöselig auftraten und ihnen – aus ihrer Sicht – aufgrund ihrer Herkunft keinen Respekt zollten. In der Overtime muss sich Michigan zwar geschlagen geben, doch spätestens jetzt sind sie national bekannt.

So dauerte es auch nicht lange, bis alle fünf Freshman gemeinsam in der Starting Five stehen, was damals einem Novum in der NCAA glich (aus heutiger Sicht vergleichbar mit einem reinen Rookie Team in der NBA). Mehr noch, das Spiel gegen Notre Dame wird gewonnen und sämtliche Punkte gingen auf das Konto der Fab Five. Dass diese abseits des Courts so gut harmonierten, spiegelte sich auch auf dem Parkett wieder, denn so produzierten sie zahlreiche Highlights, die sie zu einem gern gesehen Ausstrahlungspartner im nationalen TV machten.

Kritik gab es trotzdem, wie so oft, wenn es etwas neues gibt, dass Leute so zuvor nicht kannten. Ihr Präsident James Duderstadt versuchte es später so zu erklären: „Sie brachten einen völlig neuen, improvisierten Spielstil, der großen Teilen der Medien und anderen Universitäten sauer aufstieß“. So warf man ihnen vor, nur für die Show zu spielen, denn die fünf haben Spaß auf dem Court, was in den frühen 90ern untypisch war. Rose bekam einst sogar ein Technisches Foul dafür, dass er lächelte. Auch stieß es Leuten sauer auf, dass die fünf andauernd am Trash-Talken waren.

Nicht zuletzt schlug den fünf afroamerikanischen Studenten auch Rassismus entgegen. Es hagelte Hassbriefe und sogar Morddrohungen. Ehemalige Michigan-Studenten verfassen Zeitungsartikel, in denen sie behaupten, sich für die neue Mannschaft ihrer Universität zu schämen.

Auch Coach Steve Fisher erhält zahlreiche Briefe, die ihn davon abbringen sollen, die Fab Five überhaupt aufzustellen. Dieser unbeschreibliche Hass bringt das Team jedoch eher zusammen, als dass es sich einschüchtern lässt.

1992 bestritten sie so ihre erste NCAA Tournament (March Madness) unter dem Motto „Let’s shok up the world“. Dieses Motto hatte ihnen kein geringerer als Muhammad Ali im Vorfeld eingetrichtert, der sich als großer Fan des Teams outete. Vermutlich, da sie es ihm gleichtaten und der Großmeister des Trash-talks würdige Erben in den fünf sah, die wie er entgegen aller Wahrscheinlichkeiten versuchten die Welt zu schocken.

Über einen Monat bleibt man ungeschlagen, schockt alle, um dann selbst geschockt zu werden. Bis ins Final Four stürmen sie, ehe man im Finale erneut auf Duke stößt, die den Wolverines nicht den Hauch einer Chance lassen und mit 71:51 gewinnen. Anschließend wurde Webber einem Shitstorm unterzogen, da er nach dem Spiel vor laufenden Kameras fortwährend fluchte, doch eher war dies der Beweise, dass es eben immer noch fünf 19-jährige Jungs waren, das ging angesichts des Hypes und der zahllosen Kontroversen jedoch unter, so wurde der Teambus oft umzingelt und es benötigte Polizeischutz, um das Team sicher von A nach B zu bringen, ähnlich wie man es sonst nur von Rockstars wie Elton John oder ähnlichen gewohnt ist.

In einer Zeit, in der Rap in Amerika auf dem Vormarsch ist und zum Sprachrohr einer Generation wird, werden die Fab Five zu Legenden. Ähnlich wie die Musik werden sie von Jüngeren als kreativ, mutig und erfrischend, von Älteren dagegen als großspurig und angeberisch wahrgenommen.

Bill Walton (NBA Legende vor der Zeit) nennt die Fab Five damals symbolisch „eines der am meisten überbewerteten Teams aller Zeiten“.

Dabei wollen sie eigentlich nur Basketball spielen, Spaß am Spiel haben und ansonsten das Leben als Studenten genießen. Stattdessen wird das Quintett von der Werbeindustrie und den Medien zu den Gesichtern eines Generationen- und Rassenkonflikts gemacht.

Nike und die eigene Universität machten Unsummen mit der Vermarktung der fünf, doch da Collegespieler nicht bezahlt werden durften, und es bis heute nicht dürfen, steigt der Frust bei den Spielern. So beschrieb Rose einst, dass er Schuhe mit dem Logo Fab Five sah, die er sich selbst niemals hätte leisten können, obwohl sein eigener Name dafür benutzt wurde.

Dieser Frust führt jedoch zu keinem Streik, wie es vermutlich heute viele tun würden, nein viel mehr professionalisierten sie sich, denn sie erkannten dass dies ihren Wert in einer zukünftigen Draft steigern würde. Die Folge ist die beste Bilanz der Conference und ein erneuter Run bis ins Final-Four, in der man erst Kentucky ausschalten konnte und sich im Finale ein packendes Duell mit der University of North Carolina bietet. NC führt 20 Sekunden vor Schluss, doch Webber hat den Ball. Der sieht jedoch keine Chance auf einen guten Wurf und nimmt ein Timeout. Ein Timeout, das er nicht hätte nehmen dürfen, da Michigan zuvor bereits alle aufgebraucht hatte. Technical. Zwei getroffenen Freiwürfe später ist der Traum vom Titel geplatzt. Webber ist auf einmal der größte Idiot einer ganzen Nation, wird aber dennoch völlig zurecht an Nummer 1 im folgendem Draft ausgewählt und startet eine beachtliche NBA Karriere. Die Fab Five war Geschichte, und nach und nach wandern auch Rose, Howard und King Richtung NBA. Nur Jackson würde es niemals in diese Gefilde schaffen.

Wie prägend diese fünf jedoch waren zeigt sich, als Rose 2013 sagt, dass Webber sich von dem Moment seines „Versagens“, von der Schule – und theoretisch von uns – abgrenzen wollte. Interessanterweise genau zu dem Zeitpunkt, als Michigan erstmals wieder im Finale steht. Im Nachhinein kam heraus, dass Webber illegale Zahlungen entgegennahm und so kam es zur Annullierung aller Spiele ab dem Final Four 1992 und zum Bruch zwischen Webber und der Fab Five.

Dass Webber am Ende tatsächlich zum Finale erscheint, wird letztendlich eine größere Story als das Spiel selbst (Michigan verlor gegen Louisville). 20 Jahre später überstrahlte die Aura der Fab Five immer noch das aktuelle Geschehen, wie einst ihre eigenen Spiele.

Nüchtern betrachtet waren die Fab Five einfach nur fünf extrem talentierte Teenager, die sich wunderbar miteinander verstanden und zweimal das Finale der NCAA erreicht haben. Nüchterne Betrachtungen waren im Hinblick auf diesen Freshmen-Jahrgang jedoch generell selten.

„So etwas wie die Fab Five gibt es nur einmal im Leben! Was sie erreicht haben, wird es nie, nie wieder geben.“

Legenden sind nun mal einzigartig.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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