GOADs – Greatest Of All Duos – Stockalone

Zwar konnten Karl Malone und John Stockton nie einen Titel gewinnen, doch ihr Vermächtnis ist heute aktueller denn je. Man scheiterte zwar stets an den Chicago Bulls um Michael Jordan, doch während die Triangel Offensive von Phil Jackson ausgestorben zu sein scheint, floriert das Pick and Roll heute mehr denn je.

CHICAGO – JUNE 10: John Stockton #12 and Karl Malone #32 of the Utah Jazz run up court during Game Four of the 1998 NBA Finals against the Chicago Bulls played on June 10, 1998 at the United Center in Chicago, Illinois. Chicago defeated Utah 86-82 and won the series 4-2 and the 1998 NBA Championship. NOTE TO USER: User expressly acknowledges that, by downloading and or using this photograph, User is consenting to the terms and conditions of the Getty Images License agreement. Mandatory Copyright Notice: Copyright 1998 NBAE (Photo by Andy Hayt/NBAE via Getty Images)

Die Utah Jazz sind nicht gerade als großartige Gewinner bekannt. Nein vielmehr kennt jeder ihre schlimmsten Niederlagen, spätestens nachdem diese in „The Last Dance“ jedem erneut ins Gedächtnis gerufen werden. Zweimal hintereinander erreichte die Mannschaft um John Stockton und Karl Malone in den Neunzigerjahren die Finalserie der NBA. Beide Male trafen sie auf die Chicago Bulls um Michael Jordan, Scottie Pippen und Dennis Rodman. Beide Male verlor das Team aus Salt Lake City. Meist werden diese Begegnungen in den Saisons 1997 und 1998 auf Jordans Heldentaten reduziert. Doch diese Duelle waren so viel mehr. Auf der einen Seite ein schmächtiger, weißer Point Guard, auf der anderen der beste Spieler seiner Zeit. Auf der einen ein Power Forward, der im Stile eines Postboten gewissenhaft ablieferte und bis heute noch die zweitmeisten Punkte aller Zeiten erzielt hat. Ihm gegenüber ein exzentrisches Feierbiest, dem nichts verrückt genug war. Was all diese Stars vereint, war ihre individuelle Klasse, diese war jedoch nicht nur auf dem Parkett zu bestaunen sondern zog sich an der Seitenlinie fort. Mit Phil Jackson wurden die Bulls vom vielleicht größten Coach aller Zeiten geführt, der wie kein zweiter für die Triangle-Offense stand, die darauf ausgelegt war, dass man mit dem Rücken zum Korb agiert und möglichst teamdienlich spielt um freie Abschlüsse zu ermöglichen. Sein Gegenüber bei Utah (Jerry Sloan), setzte auf das „Pick and Roll“. Ein zu diesem Zeitpunkt wenig beachteter Spielzug, der den Basketball über Jahre hinweg aber prägen sollte wie kein anderer und dies bis heute immer noch tut.

Für das Pick and Roll hatte Sloan aber auch das ideale Spielermaterial. In John Stockton hatten die Jazz einen der besten Point Guards der Geschichte, der aber bis heute weiterhin unter dem Radar fliegt. Seine Theorie, warum dem so sei, ist dass er nie der beste Spieler seines Teams war und auch nicht mit großartigen Vorschusslorbeeren in die Liga kam. Im vermutlich besten Draft aller Zeiten 1984 (u.a. MJ, Akeem Olajuwon, Charles Barkley), wurde er erst an Nummer 16 gewählt. Bei seinem Pick, hallten vermeintliche Buh-Rufe durch den Madison Square Garden, die bei genauerem hinhören sich als „Who“-Rufe herausstellen, denn niemand wusste so genau wer dieser John Stockton war. Diese Unbekanntheit zieht sich jedoch durch seine gesamte Karriere, wie eine Anekdote von den Olympischen Spielen 1992 zeigt: „Mit der Videokamera auf der Schulter und der vierköpfigen Familie im Schlepptau wirkte er wie der typische Tourist. „Sind sie Amerikanerin?“, fragte er eine vorbeispazierende Frau, die selbiges durch Flagge und T-Shirt mit Dream-Team-Aufdruck nicht gerade verheimlichte. Am Abend zuvor hätte sie Charles Barkley getroffen, berichtete sie stolz, und zeigte ihr Shirt. Erst als der kleine David Stockton gleich mehrfach „That’s my dad!“ ruft, fällt bei ihr der Groschen: „Spielen Sie im Team?“ Ob sie den Mann vor sich mittlerweile als John Houston Stockton identifiziert hat, sei mal dahingestellt.“ (Quelle: Spox.com Legendenserie John Stockton)

Stockton war stets höflich und zurückhaltend, in den Medien fand er außer durch seine sportlichen Leistungen kaum statt. Sein Äußeres ließ nicht gerade auf einen Spitzenathleten schließen. Doch der Schein trog. Ex-NBA-Profi Calvin Murphy beschrieb Stockton einmal als „Chorknabe mit der Schlagkraft Mike Tysons“. In der Verteidigung war Stockton gallig und unermüdlich, hatte stets seine Finger in den Passwegen und ist bei den Steals bis heute der All-Time-Leader (3265). Am anderen Ende des Felds, war er der beste Spielmacher seiner Zeit und ein verlässlicher Distanzschütze. Über seine Karriere legte er 13,1 PPS und 10,5 APG (1504 Spiele) auf, bei Quoten von 51,1% FG, 38,4% 3FG und 82,6% FT. Trotz seiner guten Quoten, verwundert es warum er nicht mehr scorte. Zum einen lag das an seinem selbstlosen Spiel (15.806 Assists in der gesamten Karriere, bis heute unerreicht) und zum anderen holten die Jazz 1985 Karl Malone. Ein Power Forward wie aus dem Bilderbuch: 2,06 Meter groß mit breiten Schultern und einer unglaublichen Physis. Trotzdem aber mit gutem Touch gesegnet, sodass er Stocktons Pässe fangen und anschließend sowohl am Korb, als auch aus der Mitteldistanz abschließen konnte. Auch abseits des Courts war Malone unorthodox. Er interessierte sich nicht für Glamour, sondern für Angeln und Jagen. Charles Barkley sagte einst: „Er ist ein schwarzer Redneck“.

Viele Fans, die in den letzten Jahren erst hinzugekommen sind, werden Malone nun nur aus Sicht der Jordan Doku sehen und ihn vermutlich mit diesen Kommentar fortan im Gedächtnis haben: „Stockton inside to Karl Malone. They double him. Jordan knocks it away from him. Jordan’s got it. The Bulls can win it right here!“. Es ist ein klein wenig die Ironie des Schicksals. Über seine gesamte Karriere hinweg, fühlte sich Malone nicht wertgeschätzt. Auch er ist kein klassischer Top-5 Pick, dem man vorneweg prophezeit ein Hall-of-Famer zu werden. An Nummer 13 wurde er gedraftet und versuchte Zeit seiner Karriere, dieses Stigma mit harter Arbeit und noch besseren Leistungen zu kaschieren. Erfolgreich. Denn er lieferte immer, weshalb sich sein Spitzname „Mailman“ vom College weg bis heute durchsetzte. Denn ähnlich einem Postboten lieferte er stets. Nur eben keine Briefe und Pakete, sondern Punkte und Rebounds. Doch obwohl man ihm sportlich nichts nachsagen kann und er mit seiner harten Arbeit eigentlich ein Vorbild aus dem Bilderbuch ist, ziehen sich jedoch Skandale durch seine gesamte Karriere. Bereits während seiner College-Zeit schwängert er eine 13-jährige. Dass er der Vater ist, wird erst Jahre später öffentlich. Es folgen zwei weitere uneheliche Kinder, 1991 verpasst er Isiah Thomas einen so heftigen Ellbogencheck, dass dieser mit vierzig Stichen genäht werden musste und ein Jahr später ist es Malone, der die Comeback-Kampagne für Magic Johnson nach dessen HIV-Erkrankung nicht mittragen will und sich öffentlich gegen eine Rückkehr des Point Guards ausspricht. Wer nun jedoch denkt, dass die negativen Stimmen Malone hemmen konnten, der irrt sich. „Hast du Karl vor dem Spiel erzählt, dass er großartig ist, konntest du sehen, wie der Druck in ihm anstieg. Hast du ihm erzählt, dass er ein Niemand ist, zerstörte er dich und dein gesamtes Team“, erklärte Reporter David James. Als in der Saison 1989/1990 A.C. Green und nicht Karl Malone zum Starting Power Forward der Western Conference (All-Star Game) gewählt wird, stellt dieser im nächsten Spiel Utahs mit 61 Punkten einen neuen Teamrekord auf.

Gemeinsam funktionierten die beiden hervorragend. 18 gemeinsame Saisons, sprechen bis heute für sich. Dazu kommt kein anderes Duo der Ligageschichte an die gemeinsamen Spiele der beiden heran. Heutzutage wäre dies vermutlich eh unmöglich, da man von Stockton mehr Scoring verlangen würde und Malone könnte dies in einer heutigen NBA sauer aufstoßen. So war er stets das Aushängeschild (1997, 1999 MVP), während Stockton im Schatten assistierte und ihn zu dem großartigen Spieler machte, der er war. Selbst im hohen Alter, trotz schwindender Athletik blieb Malone einer der dominantesten Spieler der Liga. Er konnte sein Shooting und sein Passing weiter verbessern, sein Spiel gewann zudem an Finesse hinzu. So hätte er vermutlich Abdul Jabbars Punkterekord jagen können, doch Stockton beendete nach 19 Jahren seine Karriere und Malone zog zu den Lakers weiter um den lang ersehnten Titel zu gewinnen, doch er hatte die Rechnung ohne die Pistons gemacht.

Trotzdem wird dieses Duo für immer zu den Besten zählen. Nicht umsonst versuchen auch heute noch Teams, dieses Duo zu kopieren. Steve Nash und Amar’e Stoudemire bei den Phoenix Suns oder Chris Paul und Blake Griffin bei den Los Angeles Clippers, sind hier vermutlich die bekanntesten Beispiele. Anders als Malone waren diese beiden Power Forwards jedoch Zeit ihrer Karriere extrem verletzungsanfällig und so reichte es, wie bei den Jazz, nie zum finalen Wurf. Anders als die Jacksonsche Triangel, ist das Pick and Roll jedoch nicht ausgestorben, sondern aktueller denn je. Zwar hat sich das Spiel weiterentwickelt und oftmals übernehmen nun auch Bigs den Ballvortrag oder Guards versuchen mit der Methode Platz zu schaffen, doch die Idee beruht bis heute auf dem „Stockalone“-Konzept. Wie viel das den Beiden wert ist, ist fraglich. Ihnen wäre vermutlich ein Titel lieber gewesen. Doch wegen ihrer Legacy sind beide bis heute präsent in den Köpfen eines jeden NBA Fans und das nicht nur wegen „The Last Dance“.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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