Die Phoenix Suns – NBA Champion 2021?

Die Phoenix Suns NBA Champion 2021? So mancher wird nun vollkommen zurecht die Stirn runzeln. Denn in jüngerer Vergangenheit kennt man die Suns nur als das Kellerteam, dass irgendwie nie so wirklich funktionieren möchte. Devin Booker ist zwar nice to have, aber konnte bisher noch nie unter Beweis stellen, dass er sein Team zu einer winning season führen kann. DeAndre Ayton zeigte in seinen ersten beiden Jahren Licht und Schatten. Doch nachhaltig in Erinnerung blieben bisher eher die negativen Höhepunkte, wie die Sperre zu Saisonbeginn.

Zudem leisteten sich die Suns in jüngerer Vergangenheit den ein oder anderen Patzer im Draft. Unvergessen bleibt hier der 2016er Draft. In Person von Dragan Bender und Marquise Chriss, draftete man zwei Bigs, die heute keine relevanten Minuten mehr spielen. Die beiden wurden an Position 4 und 8 gezogen. Junge NBA Fans kennen die Suns nicht anders. Die chaotische Franchise aus Arizona, die es nicht einmal schaffte die Point Guard Position adäquat zu besetzen und so beispielsweise Ayton einem gewissen Luka Doncic vorzogen. Doch es war nicht immer so. Die Suns standen Mitte der 00er Jahre für einen unterhaltsamen Basketball und verzückten mit ihrer seven-seconds-or-less Offensive die komplette Association. Auch war Phoenix stets ein Ort an dem sich Point Guards exzellent entwickelten. So wurde Steve Nash zweifacher MVP, später hatte man mit Goran Dragic, Eric Bledsoe und Isaiah Thomas gleich drei gute Aufbauspieler in den eigenen Reihen. Alle drei gehören zwar nicht zur Elite der Liga, waren aber jedoch gute Starter, bis sie Verletzungen oder ihr Alter ausbremsten. Ihr Höhepunkt eine 48-34 Saison im Jahr 2014. Aufgrund der starken Konkurrenz im Westen landete man aber nur auf dem 9. Rang (zum Vergleich im Osten wäre man dritter geworden). Man entschied sich daraufhin das Team nicht zu halten und so wurden alle drei nach und nach abgegeben. Dragic landete bei den Heat, Thomas reifte bei den Celtics zum All-Star und Eric Bledsoe forcierte mit seinem legendärem „I do not want to be here“ seinen Trade zu den Milwaukee Bucks, wo er an der Seite von Giannis Antetokounmpo aktuell die Liga dominiert.

Die Suns zerfielen und man schaffte es nicht einen vernünftigen Rebuild aufzuziehen. Bis in den Spätherbst 2019. Phoenix startete furios in die Saison und nicht wenige Experten rechneten den Suns plötzlich Aussenseiterchancen im Rennen um die Playoffs zu. Es kam doch wieder anders. Bevor die Saison wegen der aktuellen Corona Pandemie auf unbestimmte Zeit unterbrochen wurde, standen die Suns erneut auf einem enttäuschendem Rang 13. Bei noch 17 verbleibenden Spielen hatte man einen Rückstand von 6 Siegen auf die an Position 8 rangierenden Memphis Grizzlies. Das Team, dass den Suns über die Saison den Rang als Underdog ablief und mit spektakulärem Basketball unterhielt. Doch wie komme ich nun zum Schluss, dass die Suns 2021 ein ernstzunehmender Contender werden könnten?

Das hat vor allem zwei Gründe. Die Liga ist aktuell so offen wie seit Jahren nicht mehr. Die Dynastie der Warriors ist zu Ende. Superstars bilden keine Big3s mehr, wie es einst LeBron tat. Die Raptors haben bewiesen, dass eine exzellente Moral, sowie eine taktische Versiertheit auch zielführend sein können. Es gibt zwar No-brainers wie etwa die Bucks, Clippers oder auch Lakers, doch auch diese Teams haben noch nichts gewonnen. Die Bucks scheiterten bisher in den Playoffs, die Lakers um LeBron werden nicht jünger und ihre Cap Situation nicht besser und auch die Clippers brauchen zwei fitte Stars um im Westen die Playoffs zu überstehen. Bei aller Liebe für die Clippers, bisher haben sie diesen Beweis noch nicht erbringen können, dass sowohl Kawhi als auch George dauerhaft fit sein können.

Der zweite Grund sind die Oklahoma City Thunder. OKC spielte diese Saison zwar extrem guten Basketball, doch man ist sich dort sicher in Shai Gilgeous-Alexander seinen zukünftigen Franchise Player gefunden zu haben. Das macht zwangsläufig Chris Paul überflüssig. Der Point God ist zwar ein extrem wichtiger Mentor in dieser Saison, doch er hat auch einen Vertrag der ihm nächste Saison noch 41,38 Millionen US-Dollar garantiert, plus Player Option 2021/2022. Im Alter von 35 beziehungsweise 36 Jahren. Zudem nimmt er Gilgeous-Alexander wertvolle Touches. Auch könnte er drängen bei einem passendem Angebot nochmals wechseln zu dürfen, um den so lang ersehnten Ring vielleicht doch noch gewinnen zu können. Sam Presti im Front Office der Thunder könnte also ordentlich nachdenken, sollten ihm die Suns beispielsweise Ricky Rubio, Kelly Oubre Jr. und Cheick Diallo anbieten. In Rubio würden die Thunder einen soliden Guard erhalten, der an beiden Enden des Feldes zu überzeugen weiß und neben Shai funktionieren könnte, er wäre quasi ein Chris Paul light der zudem die Second Unit um Dennis Schröder anführen könnte. Diallo und Oubre sind Spieler im letzten Vertragsjahr, die sich entweder bei den Thunder beweisen könnten oder in etwaigen anderen Trades weiterverschifft werden. Da Phoenix auch noch über all seine Picks verfügt könnte man hier beispielsweise als Bonus den 2021er First Rounder draufpacken. Spätestens seit letztem Sommer wissen wir, dass man damit bei Presti immer auf offene Ohren stößt. Oklahoma würde sich dann vermutlich in der besten Situation der gesamten Liga befinden und schon bald würde man nicht mehr darüber sprechen was Danny Ainge den Nets damals antat, sondern was Presti der halben Western Conference antat. Denn OKC selbst könnte dann mit Unmengen an Cap Space und einer Heerschar an Picks massenhaft Trades einfädeln um selbst ein neues Superteam aufzubauen oder eben in Ruhe all die Talente entwickeln.

Phoenix auf der anderen Seite hätte erstmals seit 2007 wieder eine realistische Chance auf einen Titel, denn obwohl Chris Paul zur Saison 20/21 bereits 35 Jahre alt sein wird, ist er immer noch einer der besten Aufbauspieler der Liga, der sich mittlerweile zurücknimmt und in Devin Booker einen ähnlich begnadeten Offensivspieler an die Seite gestellt bekommt, wie er es in James Harden bei den Houston Rockets hatte. Auch Booker würde davon profitieren, der Fokus gegnerischer Defenses würde sich nicht mehr gänzlich auf ihn richten. Er müsste nicht mehr den Ballvortrag übernehmen und kann sich voll und ganz auf sein Scoring fokussieren. Auch kann Paul ihn besser entlasten als es Rubio diese Saison konnte und ihm so dringend benötigte Atempausen verschaffen. Zudem bekäme er endlich den bitter nötigen Anführer, eine Rolle die er selbst bisher nicht ausfüllen kann. Ein weiterer Profiteur wäre Ayton. Er zeigte zwar zuletzt vielversprechende Leistungen, doch auch er würde von der Ankunft Pauls profitieren. Er bekäme einen Leader der ihn an die Hand nimmt und ihn exzellent bedienen kann. Defensiv wie offensiv könnten die beiden extrem wertvoll werden. Man denke nur an die 2018er Rockets. Diese waren damals ähnlich aufgestellt und brachten die Warriors damals als einziges Team der Liga an deren Grenzen.

Da Ayton nächste Saison auch noch unter seinem Rookie Deal steht hätte man auch mit Chris Paul nur 89,915 Millionen Cap belegt. Für nächste Saison war ursprünglich von der Liga ein Cap Space von 115 Millionen Dollar geplant (aktuell in der Schwebe, da man nicht weiß wie nachhaltig Covid-19 den Sport beschränken wird). 8 Spieler hätte man in diesem Szenario fest unter Vertrag. Im Draft (voraussichtlich Lottery-Pick) könnte man einen relativ fertigen Spieler vom Kaliber Toppin wählen, oder den Pick für einen guten Rollenspieler traden. Damit hätte man eine ziemlich starke Start-5. Mit den nun knapp verbleibenden 20 Millionen an Cap könnte man entweder versuchen noch einen weiteren Boarderline Star zu ertraden, jedoch wäre es sinnvoller solide Rollenspieler zu verpflichten oder auch zu halten. Bei letzterer Option sind hier allerdings nur Aaron Baynes und Saric zu nennen. Beide verdienten diese Saison um die 5 Millionen Dollar und würden mit einem CP3 vermutlich erneut signen. Je nachdem wie Risikoreich beziehungsweise überzeugt man von dem Projekt wäre, könnten weitere Picks investiert werden um Spieler vom Kaliber eines Robert Covington nach Phoenix zu holen.

Man wäre also im Handumdrehen ein ernstzunehmender Playoffaspirant und könnten es den Cavaliers von 2014 gleichtuen. Zwar wird der Westen auch in der nächsten Saison hart umkämpft sein, da es mit Memphis, New Orleans, Dallas, Sacramento und auch Portland gleich fünf weitere aufstrebende Teams gibt, beziehungsweise Teams die diese Saison unter ihren Leistungen blieben. Dazu bleiben die Topteams aus Los Angeles, Houston und Utah. Jedoch plagen sich auch diese mit diversen Sorgen herum. Die Suns hätten in diesem Szenario die Chance dieses Machtvakuum auszunutzen und haben dann Chris Paul einen erfahrenen Leader, der anders als die anderen jungen Teams Playofferfahrung mitbringt.

Es bleibt abzuwarten, doch die Suns hätten mit Chris Paul das erste Mal seit knapp 15 Jahren wieder eine relistische Chance auf die Vince Lombardi Trophy. Deshalb liebe Suns, please make it happen.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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