Wollt ihr die Knicks oben sehen, müsst ihr die Tabelle drehen

New York. Eine Stadt, die für so viel steht. Freiheit, Tourismus, Wall Street, die Yankees und natürlich Basketball. Unzählige Hollywood Streifen spielen in der Stadt, die angeblich niemals schläft. Hollywoodfilme sind stets nach einem gewissem Schemata aufgebaut. Der Protagonist muss ein Problem lösen und am Ende wird alles gut. In dieser Stadt, in der so viele Streifen spielen, spielt sich seit Jahren jedoch ein Film ab, der einer Tragikkomödie nach dem Gusto Schillers in nichts nachsteht. Skandal reiht sich an Skandal, Fehlverpflichtung an Fehlverpflichtung. Wer noch immer nicht weiß um wen es sich handelt, hier ein kleiner Tipp: Satz mit X, tja das sind dann wohl die Knicks. Anders als Hollywoodhelden hat es die gesamte Organisation der Knicks seit vielen Jahren nicht mehr geschafft dieses Problem zu lösen. Böse Zungen könnten behaupten, dass die Knicks es noch nicht einmal identifiziert haben.

Um zu verstehen, warum die Knicks seit Jahren im Keller der Eastern Conference stecken muss man den Ursprung dessen finden, ab wann es anfing schlecht zu laufen. Man könnte es sich einfach machen und argumentieren, dass der Abstieg nach den gewonnenen Titeln in den 70er Jahren anfing. Doch für eine Liga die um Gleichheit bemüht ist wäre dies die falsche Argumentation. Auch kann man nicht sagen, dass es nach der erfolgreichen Ära um John Starks und Patrick Ewing bergab ging, da es zwischenzeitlich Anfang der 10er Jahre gut aussah. Für mich persönlich fing der Abstieg damit an, als man es verpasste LeBron James zu verpflichten und somit die Chance auf den besten Basketballer dieses Jahrtausends vertat. Wie schnell dieser ein Team aus dem Keller bringen kann, beweist er seit zwei Jahren bei den Lakers. Zwar konnte man mit Carmelo Anthony eine mehr als passable Ersatzlösung finden, doch Anthony so gut er auch war hat nie bewiesen, dass sein Basketball nachhaltig Erfolg bringen kann. Doch selbst seit dem Abgang Anthonys hat man es nicht geschafft, einen guten Rebuild aufzuziehen, oder in einer Free Agency namhafte Stars zu verpflichten. Dieser Aspekt verblüfft umso mehr, als dass man in New York den besten TV-Markt hat und auch die Kultur um die Organisation herum mehr als reizend ist. Der Madison Square Garden ist vermutlich die Halle, von der jeder Star träumen sollte, denn diese Halle ist umwerfend.

Dieses Unvermögen führt zwangsläufig dazu, dass man es dem Front Office ankreiden muss. Unvermögen trifft es ganz gut, denn man schafft es nicht langfristig an Personen festzuhalten und gibt Talenten kaum Chancen sich zu entwickeln. Coaches setzten deswegen eher auf etablierte Spieler, in der Hoffnung dass diese ihnen ihren Job retten können. Diesen ersten Punkt scheinen die Knicks nun auch realisiert zu haben, und präsentierten mit Leon Rose erstmals seit langem eine vernünftige Präsidentenlösung. Im Sommer hat dieser Zeit einen Head Coach zu finden, dem er vertraut und gemeinsam könnte man die Knicks erstmals in ruhigere Gefilde steuern. Über Scott Perry lässt sich streiten. Weder bei den Kings konnte er überzeugen, noch in seinen bald drei Jahren bei den Knicks. Seine Vision ist nicht erkennbar und auch gab es unter ihm bisher keine wirklich sinnvollen Entscheidungen. Hier schreit es nach einer Neuverpflichtung. Im besten Fall gelingt es den Knicks hier, Daryl Morey oder Masai Ujiri zu verpflichten. Zwar dürfte sich dies als schwer herausstellen, doch es gibt noch zur genüge kompetentere Kandidaten als Perry.

Da nicht davon auszugehen ist, dass James Dolan in naher Zukunft seine Knicks verkauft, wird es auch in Zukunft Probleme geben, doch auch er könnte erkennen, dass ein Trio um beispielsweise Rose, Kenny Atkinson und Masai Ujiri Zeit und Ruhe braucht um diesem schlafendem Riesen neues Leben einzuhauchen.

Nur dann ist davon auszugehen, dass sowohl namhafte Free Agents unterschreiben, als auch die jungen Spieler Vertrauen und Zeit bekommen.

Den Höhepunkt erreichten die Knicks in der Saison 2014/2015, als man auf bestem Weg war die schlechteste Bilanz der Liga zu stellen. Doch in den letzten drei Saisonspielen entschied man sich zu einem bedeutungslosem Schlussspurt und gewann alle drei Spiele. Die Chance auf den Nummer 1 Pick war damit zunichte und die Timberwolves freuten sich über Karl-Anthony Towns.

Wenn man all diese Probleme beseitigen kann, sollte es durchaus möglich sein die Knicks schon 2022 wieder zum Titelkreis zählen zu dürfen. Wagen wir einmal ein Gedankenexperiment:

Im Sommer 2020 entscheiden sich die Knicks in Kenny Atkinson einen Coach zu verpflichten, der bereits bewies junge Talente zu fördern. Da der Sommer relativ wenig Stars zu bieten hat, bietet man Andre Drummond keinen Max-Contract an und entscheidet den Fokus ganz auf 2021 zu setzen. Im Draft entscheidet man sich für einen soliden Spieler, von dem aber niemand erwartet der nächste Superstar zu werden. Im Oktober 2020 befinden sich mit RJ Barrett und Mitchell Robinson die zwei größten Talente. Beide spulen über 30 Minuten pro Spiel ab und entwickeln sich prächtig. Kleinere Trades unter der Saison deuten darauf hin, dass man sich schon jetzt in der Breite verstärkt um potentielle Free Agents anzulocken. Gleichzeitig scheitert in Philadelphia das Experiment und Ben Simmons fordert einen Trade. Die Knicks sehen ihre Chance und fädeln einen Deal ein, der Frank Ntilikina, Kevin Knox und einen First Rounder nach Philadelphia schickt. Im Gegenzug erhält man in Simmons einen überdurchschnittlichen Verteidiger. Die Playoffs verpasst man erneut, doch das scheint sämtlichen Akteueren egal zu sein. In diesen Playoffs werden die Clippers von den Utah Jazz bereits in der ersten Runde rausgeworfen. Kawhi verkündet, dass er aus seinem Vertrag aussteigen möchte und zurück in den Osten will. Da die Knicks Masai Ujiri loseisen konnten, überzeugt dieser Kawhi sich ihm anzuschließen. Mit Ben Simmons, Kawhi, Barrett und Robinson hat man ein extrem gutes Grundgerüst. Da man noch Geld übrig hat verpflichtet man noch solide Rollenspieler. Im Draft wird ein Combo Forward gewählt, der über einen starken Dreier verfügt. Man startet in die Saison 2021/2022 zwar verhältnismäßig schlecht, doch Ben Simmons hat sich über den Sommer einen respektablen Dreier angeeignet und mit der Zeit fängt das System an zu klicken. Zur Trading Deadline lotst Ujiri Kyle Lowry nach New York. Dieser reiht sich als sechster Mann nahtlos ein und man wird 2. im Osten. In der ersten Runde trifft man auf die Philadelphia 76ers. Robinson schaltet Embiid aus und Simmons möchte es seinem ehemaligen Team beweisen. Über die Serie von 5 Spielen legt er durchschnittlich 25-12-9 auf. In der zweiten Runde warten die Heat, doch auch hier haben die Knicks keine Probleme. Alles ist angerichtet für den Clash mit den Bucks. Giannis dominiert die ersten beiden Partien, doch Barrett sichert mit 54 Punkten in Spiel2 den dringend benötigten Auswärtssieg. Kawhi erklärt Giannis zur Chefsache und verteidigt ihn die nächsten Spiele allein. Mit einer 3-1 Serienführung kommen die Knicks nach Wisconsin. In der Overtime sichern sich die Bucks zwar den Sieg, doch keiner zweifelt daran, dass die Knicks diese Serie verlieren würden. Lowry hat ein Vintage Game in Spiel 6 und die Knicks sind endlich wieder in den Finals. Dort erwarten sie die Sacramento Kings, die um MVP De’Aaron Fox die komplette Liga überraschten. In einer umkämpften Serie muss man bis in Spiel 7 gehen. Die Knicks haben immer wieder Probleme mit dem Tempo der Kings und Buddy Hield schweißt Dreier um Dreier rein. Doch dank Barrett und Kawhi bleibt die Partie eng. Zwei Sekunden vor Schluss hat Marvin Bagley II die Chance die Serie zu entscheiden, doch Robinson blockt seinen Hakenwurf und lässt mit einem Urschrei die Halle erzittern. Über die gesamte Overtime bleibt die Partie eng und kein Team setzt sich entscheidend ab. Die Kings führen mit 116-115, doch die Knicks haben Ball. Kawhi zieht an die Baseline und setzt einen letzten Wurf ab. Gespannt geht er in die Hocke. Der Ball klatscht auf den Ring, doch egal ob der Wurf reingeht oder nicht. Die Knicks sind nach Jahren des Leidens wieder angekommen in der NBA und nach dieser Saison muss man die Tabelle nicht mehr drehen, um die Knicks oben zu sehen.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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