Wie die Miami Heat den Turnaround im Sommer 2019 schafften

Zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts stellten die Miami Heat vermutlich das talentierteste Team, waren jedes Jahr Titelanwärter und erreichten zwischen 2011 und 2014 stets die Finals, in welchen man zweimal triumphieren konnte. Nachdem man aber 2014 von den Spurs und ihrem Teambasketball, der seitdem die NBA prägt, vorgeführt wurde und sich LeBron James entschied wieder nach Cleveland zurückzukehren, zerfielen die Heat allmählich. Zwar hatte man in Chris Bosh und Dwayne Wade weiterhin zwei All-Stars, doch Bosh wurde von seinen Blutgerinnseln im Gehirn ausgebremst und auch an Wade nagte der Zahn der Zeit. 2015 scheiterte man so bereits in der Regular Season, 2016 erlebte Wade nochmals einen zweiten Frühling und man erreichte Runde 2 der Eastern Conference, eine Chance hatte man dort aber nie. 2017 scheiterte man wegen des direkten Vergleichs. Da im Jahr zuvor der Cap Space angehoben wurde und die Teams daraufhin hoch dotierte, sowie langfristige Verträge ausstellten, in dem Glauben die Gehaltsobergrenze würde sich ähnlich weiterentwickeln. So verbauten sich die Heat ihre Zukunft in diesem Sommer bis mindestens 2020 wenn nicht gar bis 2021. Spieler wie Hassan Whiteside, Dion Waiters, Kelly Olynyk wurden massiv überbezahlt. Whiteside erhielt sogar einen Maximalvertrag.

Die Heat verzockten sich damit jedoch gewaltig und man verkam zur grauen Maus der Liga, die irgendwo zwischen Platz 10 und der ersten Playoffrunde pendelte. Zu schlecht für den Titel, zu gut aber um einen vernünftigen Rebuild aufzuziehen.

So ging man davon aus, dass dies der Status quo bleiben würde, ehe Pat Riley und Konsortien im Sommer 2021 erneut versuchen würden die Free Agency von 2010 zu kopieren, als man mit Bosh und James zwei absolute Superstars verpflichten konnte.

Doch wieder einmal zeigte sich, welche Macht einzelne Spieler haben können, wenn sie denn wollen. Jimmy Butler, der zuvor bereits zweimal (s)einen Trade erfolgreich forcierte, machte den Philadelphia 76ers zu verstehen, dass er unbedingt nach Miami gehen möchte, um dort endlich sein eigenes Team zu haben. Um ihn dorthin zu lotsen, fädelte Riley einen komplizierten 4-Team-Trade ein, der unter anderem einen First Round Pick zu den Clippers, Whiteside nach Portland, sowie Josh Richardson zu den 76ers beinhaltete. Im Gegenzug erhielt man Jimmy Butler und Meyers Leonard (Trail Blazers).

Für Miami ein echter Glücksgriff. Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass man weder Cap Space hatte und Pat Riley eine Schwäche für sogenannte Malocher hat (Mourning, Haslem), zu denen Jimmy Butler auch zählt.

Nachdem die Saison 2018-2019 von der Abschiedstournee Wades überschattet wurde, hatten die Heat plötzlich die Möglichkeit erstmals wieder die Playoffs anzugreifen und sich so attraktiv für vermeintliche Stars zu machen. Durch den Abgang Whitesides zeigte man, dass man auf Center auf Bam Adebayo zählen möchte (mehr dazu ihm Post: „Haben Center eine Zukunft in der NBA?“). Mit Tyler Herro holte man im Draft ein Prospect, der sofort dringend benötigtes Shooting liefern sollte.

Doch wie sehr dieses gesamte Konstrukt bereits diese Saison ins Rollen kam, damit haben nur die wenigsten gerechnet. Butler, der erstmals in seiner Karriere zufrieden zu sein scheint, nahm das Team an die Hand und führt das Team ohne große Allüren. Goran Dragic, langjähriger Starter, nahm die Rolle des Sixth Man ohne Probleme an und führt gemeinsam mit Herro die Second Unit an. Der im Draft 2018 verschmähte Kendrick Nunn, schießt seit seinem Debüt sämtliche Lichter aus, gleiches lässt sich über Duncan Robinson sagen. Meyers Leonard fällt zwar nicht sonderlich auf, liefert jedoch von allem ein bisschen und rundet somit eine extrem homogene Rotation ab.

Zur Trading Deadline im Februar verstärkte man den Kader in der Breite, indem man mit Andre Iguodala und Jae Crowder zwei mehr als nur solide Veteranen bekam, ohne großartig Gegenwert (Justise Winslow) abzugeben. Auf dem Papier ist dies eine Truppe, die in den Playoffs zumindest die zweite Runde erreichen müsste, vielleicht auch mehr.

Je nachdem, wie es nach der aktuellen Unterbrechung weitergeht, könnten die Heat neben den Pacers, das am unangenehmsten zu bespielende Team sein. Aktuell rangiert Miami auf dem vierten Platz, was gleichbedeutend Heimvorteil in Runde 1 heißt. In der zweiten Runde würden dann zwar die Milwaukee Bucks warten, doch letztes Jahr bewiesen die Raptors bereits, mit einem ähnlichen Teamgefüge, wie man eben jene Bucks schlagen kann.

So oder so kann man die Saison der Heat als Erfolg verbuchen, denn sie haben es innerhalb kürzester Zeit geschafft, eine kurzfristig aussichtslose Situation in eine großartige Chance zu verwandeln. Nunn und Herro stehen noch mindesten zwei Jahre unter ihrem Rookie Kontrakt. Adebayo könnte 2020 teuer werden, doch spätestens 2021 ist man sämtliche Altlasten los und könnte sich potentiell einen dritten Star leisten. Ob dies notwendig ist, ist die andere Frage. Doch wenn man dann ähnlich smarte Moves, wie letzten Sommer tätigt, ist mit den Heat 2022 ernsthaft zu rechnen. Früher als das einigen Team lieb wäre, soviel ist sicher.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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