Sacramento Kings – Könige ohne Krone

Die Sacramento Kings sind ein Team, das nicht gerade bekannt ist. Das fängt schon am Standort an. Die wenigsten werden an Sacramento denken, wenn man an Kalifornien denkt. Ähnlich ergeht es den Kings. Kaum ein NBA Fan interessiert sich aktuell noch für die Kings. Zu sehr stehen diese im Schatten der großen Team in Kalifornien. Seien es die Lakers, Dodgers, LA Kings, Angels, Warriors oder Giants. Sie alle haben ein größeres Standing und erfreuen sich zahlreicher Fans. Die Kings sind aber nicht nur wegen ihres Standortes, eine Art graue Maus. Seit nun 14 Jahren, hat es die Franchise nicht mehr in die Playoffs geschafft. Zum Vergleich in keiner anderen Nordamerikanischen Profiliga wartet ein Team so lange darauf. Zwar ist Sacramento nicht gerade ein großer Markt, aber diese chronische Erfolglosigkeit hängt vor allem, daran dass die Kings zwar seit Jahren in der Lottery picken, jedoch nur eine Handvoll brauchbarer NBA Spieler dabei herauskam. Kuriose Trades und fatale Fehlentscheidungen im Front Office erschwerten den Rebuild der Kings erheblich. In den letzten Jahren hängt dies vor allem mit einem Namen zusammen. Vlade Divac. Gerade bei erfolglosen Teams ist es häufig zu sehen, dass man Namen verpflichtet, die man mit positiven Zeiten verknüpft und man irrtümlich davon ausgeht, dass allein die Präsenz desjenigen, sofort einen nachhaltigen Erfolg mit sich bringt.

In Deutschland kann man dieses Spektakel seit Jahren beim HSV bestaunen, die Dietmar Beiersdorf zurückholten, da dieser den letzten nennenswerten Erfolg mit sich brachte. Die Kings, das amerikanische Äquivalent zum HSV in Deutschland dachten sich wohl ähnliches. Warum nicht Divac als General Manager verpflichten, wo dieser doch die erfolgreichsten Jahre zu Beginn des neuen Jahrtausends maßgeblich prägte.

Was viele gar nicht mehr wissen, die Kings waren vor 20 Jahren eins der stärksten Teams im Westen. Vermutlich zählt das Team um Webber zu den Besten, die nie einen Titel gewinnen konnten.

Zwischen 1999 und 2006 waren die Kings stets in den Playoffs und verzückten die Fans mit exquisitem Offensivbasketball. 2002 erreichte dieses Team seinen Höhepunkt. Rund um Webber, Stojakovic, Bibbey und Divac, hatte man das drittbeste Offensivrating, sowie das sechstbeste Defensivrating. Mit einer 61-21 Bilanz, war man das beste Team der Liga. Weder die Jazz, noch die Mavericks konnten dieses Team in den Playoffs aufhalten. Doch in jeder Dekade gibt es ein Team, an dem es schlicht und ergreifend kein Vorbeikommen gibt. Vergleichbar zu der Warriors Dynastie der letzten Jahre und der 2017er Saison, als die Rockets die beste Bilanz hatten und in den Conference Finals einen 3-2 Führung verspielten. Genauso erging es den Kings 2002. Jedoch hießen damals die Unbezwingbaren nicht Curry, Durant und Kerr, sondern O’Neal, Bryant und Jackson. Auch die Kings verspielten damals eine 3-2 Führung und schafften es somit nicht die eigene Ära zu krönen. Zwar erreichte man noch vier weitere Male in die Playoffs, doch über die zweite Runde kam man nicht mehr hinaus.

So entstand in der Folge, einer der vermutlich längsten Rebuilds, der aller Wahrscheinlichkeit nach noch bis 2021 anhalten wird. Man hat zwar noch Playoffchancen, jedoch spricht nicht mehr viel dafür, dass die Kings diese 2020 noch erreichen könnten.

Krönung dieses Chaos war, als man 2015 Divac als General Manager installierte um eine Sieger-Identität zu schaffen. Der setzte dem ganzen dann auch noch die Krone auf, indem er zahlreiche Trainer verschliss, Trades einfädelte, die wertvolles Draftkapital beinhalteten, nur um kurzfristig erfolgreich sein zu können. Und spätestens als er DeMarcus Cousins (damals galten die Kings als klarer Verlierer des Deals, Hield spielte 4 Jahre am College, galt als Flop, Cousins als bester Center der Liga. Mehr dazu in Quo Vadis Boogie), verlor er bei den meisten Fans seinen letzten Kredit.

Auch scheint er keine Idee zu haben wie er das bestmögliche für sein Team herausholen kann. Denn er draftete Big Man nach Big Man, was in der Entwicklung junger Spieler kontraproduktiv ist. Als man 2017 De’Aaron Fox holte waren sich viele sicher, dass es von nun an besser werden sollte.

Es schien auch besser zu werden, denn 2019 überraschten die Kings mit spektakulärem Tempobasketball und verpassten die Playoffs nur knapp. Da sich Divac aber mit Dave Jorger überwarf musste dieser nach der Saison seinen Hut werfen und man verpflichtete Luke Walton. Einen Coach der die Lakers nie in die Playoffs führte und langsameren Basketball spielen lässt.

Trotzdem scheinen die schlimmsten Zeiten für Kings Fans vorbei zu sein. Im Sommer gilt es zwar schwierige Entscheidungen zu treffen, da Bogdan Bogdanovic Restricted Free Agent wird, doch die Kings scheinen sich auf einen Kurs verständigt zu haben der plausibel erscheint.

In De’Aaron Fox hat man seinen designierten Franchise Player gefunden. Im Nachhinein ein Glücksgriff, denn Stand heute hätten die 76ers lieber ihn als Markelle Fultz gewählt.

Sein enormes Tempo, die Passfähigkeiten und die Fähigkeit sich einen eigenen Wurf zu kreieren, geben hier Hoffnung, dass er die Kings wieder zu einer Saison führen kann, die länger als 82 Spiele andauert. 2018 zog man an 2. Stelle Marvin Bagley II. Ein athletisches Wunder, man erinnere sich nur an seinen 360-Alley-Oop (https://www.youtube.com/watch?v=ERZfTjo7VLs). Schafft er es gesund zu bleiben, hat man hier einen Big Man der kaum Schwächen hat und an einen Anthony Davis erinnert.

In der Hinterhand hat man noch einen extrem rohen Harry Giles, der zu Highschool Zeiten einst als spannendsten Prospect galt, dann jedoch von Verletzungen zurückgeworfen wurde.

Buddy Hield ist ein Shooter, wie man sich ihn wünscht. Bogdanovic als 6th-Man/Starter extrem wertvoll, könnte deswegen auch teuer werden. Des weiteren hat man mit Kent Bazemore, Cory Joseph, Harrison Barnes und Nemanja Bjelica wertvolle Veteranen, wobei Barnes überbezahlt scheint. Trotz alledem haben die Kings vermutlich einen sinnvollen Kern gefunden. Je nachdem wo sie im Draft landen wäre eine Verstärkung für den Flügel wichtig.

Man könnte auch einen Trade mit den Wizards für Bradley Beal anvisieren. Beispielsweise Beal für den diesjährigen Pick und ein Sign-and-Trade von Bogdanovic oder Hield.

Problem an dem ganzen ist aber, dass die Kings dieses Jahr mit der fünftlangsamsten Pace spielten und somit sich selbst ihrer größten Stärke beraubten. Sollte Walton nicht bereit sein, sein Spiel an seinen Star anzupassen, ist eine Trennung hier zu erwarten, auch wenn Divac ihm zuletzt wieder den Rücken stärkte.

Doch langsam aber sicher wächst in Sacramento wieder etwas zusammen. Vermutlich wird dieses Team auch in den nächsten Jahren keinen Ring gewinnen, doch das Schlimmste scheint überstanden zu sein. Kleinere vertragliche Hürden stehen dem ganzen zwar noch im Weg, aber vertraut man seinem jungen Kern, so könnten die Conference Finals schon bald wieder Lakers gegen Kings heißen. Und wer weiß ob die Kings es dann schaffen würden, eine 3-2 Serienführung ins Ziel zu bringen. Es wäre ihnen zu wünschen, dann würde man als Fan zukünftig vielleicht auch wieder an die Kings denken, wenn man an die großen Teams Kaliforniens denkt.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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