Rebuild Deluxe – Memphis Grizzlies Check

Jahrelang waren die Memphis Grizzlies für ihre Grit n‘ Grinde Spielweise bekannt und damit durchaus erfolgreich. Zwar kam man nie über die Western Conference Finals hinaus, doch keiner liebte es gegen die Grizzlies in der Postseason zu spielen. Als dieses Team nach und nach aufbrach, älter wurde und immer häufiger schwere Verletzungen zu verkraften hatte, entschied man sich spätestens im Sommer 2018 einen Rebuild einzuleiten. Um Jaren Jackson Jr. sollte aufgebaut werden. So verließ Marc Gasol, langjähriges Aushängeschild der Franchise, Memphis per Trade. Im Sommer 2019 durfte Mike Conley sich den Jazz anschließen und die Grizzlies holten im Draft Ja Morant. Rebuild wie gesagt. Doch keine zehn Monate später steht dieses junge Team auf Rang 8 der Western Conference und hatte gute Chancen auf das Erreichen der Postseason, bis die Saison auf unbestimmte Zeit unterbrochen wurde. Über einen Rebuild im Schnelldurchlauf.

Im Normalfall durchleben NBA Teams extreme Höhen, gefolgt von Tiefen oder sie stecken irgendwie fest. In den letzten 25 Jahren traf dies auf 29 aller NBA Teams zu, die San Antonio Spurs bilden hier eine Ausnahme. Teams wie Orlando sind so seit Jahren im Mittelmaß gefangen. Die Knicks oder Kings picken seit Jahren in der Lottery und die Warriors wussten zwischen 2014 und 2019 nicht, was verlieren heißt. Die NBA im Jahr 2020 ist da aber irgendwie anders. Die Kings zeigen Fortschritte, die Warriors sind ohne ihre Stars nur ein besseres G-League Team und auch Orlando hat endlich mal spannende Spieler in den eigenen Reihen. Die Spurs scheinen nicht mehr die schlaueste Franchise zu sein und allgemein ist die Liga offen wie nie. Zahlreiche Regeländerungen haben dies natürlich begünstigt. So etwa, als man die Regularien der Draft änderte. Das beste Team bekommt fortan nicht mehr eine 25%-ige Chance auf den ersten Pick. So passierte es, dass mit New Orleans (1. Pick, Zion Williamson, mehr dazu Rookie Watch – Zion Williamson) und Memphis zwei Teams die beiden vielversprechendsten Prospects seit Jahren auswählen durften. Über Nacht hatten die Pelicans, auf dem Papier, ein vielversprechendes Team (spätestens nach dem Anthony Davis Trade) und auch den Grizzlies wurde eine rosige Zukunft prophezeit. Mit dem Pick Morant formulierten die Grizzlies klar ihre Ziele: Um ihn und Sophomore Jaren Jackson Jr. (JJJ) ein neues Team aufbauen, dass eine ähnliche Ära wie die Gasol-Conley Kombination prägen soll. Zusätzlich umringte das Front Office die beiden mit weiteren Talenten (u.a. Rookie Brandon Clarke) und punktierten den Kader mit einzelnen Veteranen wie Jonas Valanciunas. Mit 23,9 Jahren stellen sie so das zweitjüngste Team der Association und zeigen ihren Jungstars, dass sie ihnen voll und ganz vertrauen. Trotz all der positiven Transaktionen, gab es Störfeuer, die das Team umgaben. Allen voran André Iguodala, Finals MVP von 2015, der per Trade von den Warriors kam und sich weigerte für die Franchise aus Tennessee zu spielen, da er seine letzten Jahre nicht bei einem Team im Rebuild „vergeuden“ wollte. Bei den Jungstars stieß diese Aussage auf wenig Gegenliebe. Dillon Brooks fasste stellvertretend für das Team die Lage wie folgt zusammen: „Ich kann kaum darauf warten, dass wir einen Trade finden, um ihm zu zeigen, was es mit Memphis wirklich auf sich hat“. Zur Deadline bekam Iguodala seinen Wunsch erfüllt und wurde für Justise Winslow zu den Miami Heat getradet. Winslow, der zu dem Zeitpunkt verletzt war, gibt den Grizzlies zukünftig von allem etwas und ist an beiden Enden des Courts zu gebrauchen.

Anfänglich, zeigte sich die Unerfahrenheit des Teams, da vor allem Rookie Point Guards es schwer haben (6-16 Bilanz). Anschließend erkannten sie aber, dass sie schneller als alle anderen Teams sind und gewannen 22 von 32 Spielen. Das Resultat war Rang 8 und die Chance auf die Playoffs. Das Tempo ist dabei der größte Trumpf. Man hat zwar nur die sechstschnellste Pace, doch anders als andere schnell spielende Teams nimmt das Team von Taylor Jenkins kaum Dreier (30,9 pro Spiel). So resultieren Nacht für Nacht fast 20 ihrer Punkte aus Fastbreaks.

Der Hauptgrund für dieses schnelle Spiel und allgemein für die erfolgreiche Saison, heißt Ja Morant. 17,7 PPS, 7,0 APS, 3,4RPS und 0,9 Steals, bei 49% FG und 35% 3FG, machen ihn zum nahezu schon sicheren Rookie of The Year. Auf 100 Angriffe attackieren nur De’Aaron Fox und Derrick Rose den Korb häufiger als JA. Eben jene Spieler, deren besten Fähigkeiten Morant vereint. Nicht nur die Quantität dieser Drives ist vorbildlich auch qualitativ trifft Morant Würfe rund um den Korb mit fast 60%. Da sich dies mittlerweile in der NBA herumgesprochen hat, wird Morant immer häufiger gedoppelt. Diese Double-Teams aber bringen seine zweite große Stärke zur Geltung. Sein Passing Game. Entweder er findet seine Bigs via Lob oder kreiert für den freien Schützen an der Dreierlinie. All das bereits auf einem Niveau, dass vermutlich so nur Chris Paul an den Tag legen kann. Einziges Problem sind seine Landungen. Als Memphis Fan hält man kollektiv den Atem an, wenn Morant in die Luft geht, denn seine Landungen erinnern zu häufig an Derrick Rose damals in den Playoffs.

Ihr Heil sucht dieses Team häufig im Pick and Roll. Morant bedient sich diesem Spielzug in fast jedem zweiten Spielzug. Mit Valanciunas, Clarke und Jackson hat er dafür aber auch eine Vielzahl exzellenter Partner. Speziell JJJ gilt als zweiter großer Faktor für die Überraschungssaison der Grizzlies. Im Vergleich zu seinem Rookie Jahr hat er einen großen Sprung gemacht (16,9 PPS, 4,7RPS) und trifft seinen Dreier bei hohem Volumen zu 40%. Am Defensiven Ende zeichnet er sich mit seine 1,6 Blocks pro Siel aus (Ligaweit Rang 9). Ein weiterer Grund warum es für JJJ so gut läuft, ist Jonas Valanciunas. Nachdem in seinem Rookie Jahr Marc Gasol ein eher moderner Center neben ihm stand (beziehungsweise aufgrund von Verletzungen nicht stand), hat Jackson in Valanciunas einen traditionellen Big, der vor sich vor allem über Rebounds definiert (10,9 RPS, davon 3 offensiv). Komplettiert wird die Big Man Rotation von Rookie Brandon Clarke, der mit seiner absurden Effizienz (62,3% FG) zu überzeugen weiß. Auf den kleinen Positionen ergänzt Dillon Brooks Morant. Nachdem er in der Vorsaison oft verletzt war, ist dieser endlich wieder fit und legt starke 15,8 PPS auf.

Schwachpunkt des Teams ist jedoch die Bank. Zwar spielen Dieng und Josh Jackson in limitierter Rolle gut, doch große Leistungen braucht man sich nicht erhoffen, da die Wurfquoten der Bankrotation unterirdisch ist. Hier kommt nun Winslow als X-Faktor ins Spiel. 2015 als Defensivspezialist in die Liga gekommen, konnte er diesem Ruf in dieser Saison (bis zu seiner Verletzung) gerecht werden. Geht man von seinem DRtg aus, so ist er gar der siebtbeste Defender der Liga (mind. 20 Minuten pro Spiel). Offensiv wurde er letzte Saison als PG eingesetzt, fühlt sich jedoch am Flügel am wohlsten. Der Wurf wackelt zwar, doch er ist robust genug um den Drive zu suchen. Das Jahr als Point Guard hat seine Passfähigkeiten verbessert, was ihn zu einer All Around Waffe werden lässt.

Zwar verletzten sich nach dem All Star Break Clarke und JJJ, was eine nicht auffangbare Lücke darstellte, die dazu führte dass man etwas an Vorsprung einbüßte. Die Zukunft ist nichtsdestotrotz rosig. Entwickeln sich alle Spieler so wie erwartet, könnte die Ära noch erfolgreicher als die von 2010-2017 sein.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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