Rookie Watch – P.J. Washington

Als Bleacher Report gestern den ersten nennenswerten Re-Draft zur Class of 2019 veröffentlichte, wird so mancher Fan verdutzt gewesen sein, dass P..J. Washington an Nummer 4 gelistet war. Doch überraschend ist es nicht. In einer Draft Class, die nicht sonderlich tief war, überzeugt der Rookie in Charlotte vollends und bildet mit Devonte Graham ein vielversprechendes Duo bei den Hornets.

12,2 PPS, 5,4RPS und 2,1 APS sind nicht gerade die lautesten Zahlen. Nicht in der heutigen NBA, in der reines Talent mehr wert ist, als Fundamentals und die bisher erbrachten Leistungen. Als die Hornets im Draft letztes Jahr Washington an Position zwölf auswählten, gratulierten einige Experten, dass man einen solchen Spieler noch an 12. Stelle bekommen hat. Andere kritisierten, warum man denn einen Spieler auswählt, der verhältnismäßig wenig Upside besitze und mit 21 Jahren bereits als alt für einen Rookie gilt. Anders als RJ Barrett oder Zion Williamson, entschied sich Washington für ein zweites Jahr an der Universität, da er 2018 nicht in die zweite Runde fallen wollte. Eine Entscheidung, die sich als goldrichtig herausstellte. Denn Washington verbesserte sich in Kentucky weiter und war einer der Hauptgründe warum man erneut ein starkes NCAA Tournament bestritt. Als Stretch-Vierer, der unermüdlich um jedem Rebound kämpft, meldete sich Washington zum Draft an. Dort viel er dann aufgrund seines Alters bis an Nummer 12, doch auch hier war es vermutlich gut, dass er in Charlotte landen konnte. Denn nach einer Saison gilt er für manche gar als drittbester Rookie. RJ Barrett wird von vielen nur deswegen höher eingeschätzt, da er zwei Jahre jünger ist. Doch im Gegensatz zu Washington, ist dessen Spiel weiterhin zu eindimensional. Wie sich Washington möglicherweise in New York geschlagen hätte kann man daher nicht beurteilen (andersrum ebensowenig), doch die Erfahrung zeigt, dass es wohl eher nicht so gut gelaufen wäre. So landete er also in Charlotte, die wenige Wochen später ihren Star Kemba Walker ziehen lassen mussten und somit endgültig jegliche Playoffhoffnungen begruben. Ideale Vorraussetzungen also für einen Rookie. Kleiner Markt mit wenig Medieninteresse, ein junges Team, dass keinen Zwang hat zu gewinnen, sowie genügend Aussicht auf Spielzeit. Sein Debüt zeigte dann jedoch direkt, dass einige Teams es bereuen könnten ihn im Draft übergangen zu haben. Sieben Dreier schenkt er den Bulls ein (NBA Rekord für einen Debütanten) und kommt insgesamt auf 27 Punkte, kein aktiver Spieler hat bei seinem Debüt mehr Punkte verzeichnen können.

Mit 2,01m mag er auf den ersten Blick wie ein Small Forward erscheinen, doch seine Fähigkeit zu rebounden, sowie seine Geschwindigkeitsnachteile, lassen ihn die meiste Zeit auf Power Forward spielen. Von dort liefert er Charlotte wichtiges Spacing, damit Graham Platz für Drives zum Korb hat. So nimmt 3J auf 100 Possesions knapp fünf Dreier, wovon er fast 2 treffen kann (37,4% 3P). Doch so stark sein Spacing auch ist, so sehr ist es für ihn vom Nachteil Nacht für Nacht gegen wesentlich größere Spieler zu spielen. Keine 50% trifft er aus dem Feld und auch seine Freiwurfquote ist eher mittelmäßig (64,7%). Da Washington bereits zu Collegezeiten den Dreier aber in seinem Repertoire hatte, sollte es nur eine Frage der Zeit sein, bis er auch an der Freiwurflinie bessere Quoten auflegt.

Das Washington aber noch lange nicht fertig in seiner Entwicklung ist, zeigt seine streaky Art. Bis zum Paris-Spiel gegen die Milwaukee Bucks, war er vielleicht sogar der kompletteste Rookie seiner Class, da die Quoten zu dem Zeitpunkt bei 48 und 43 lagen, seitdem hat er etwas abgerissen, was aber daran liegen könnte, dass Rookies, die 30+ Min abspulen, sich grundsätzlich in den ersten Jahren erstmal an die langen Saisons gewöhnen müssen. Mit 23-42 ist die Bilanz der Hornets zwar nicht berühmt, doch verglichen zu den Erwartungen vor der Saison überrascht es, dass diese junge Mannschaft so viele Spiele gewinnen konnte. Speziell enge Spiele. Ein Net-Rating von +11,3 ist zum einen bärenstark, zum anderen aber für junge Teams, die selbst am College eher weniger Verantwortung hatten, beeindruckend. Auch hier hat Washington seinen Anteil. Denn neben ihm hat auch Sophomore Devonte Graham einen ungewöhnlich großen Sprung gemacht. Ihr gemeinsames Pick and Roll ist beeindruckend. Sobald Washington den Pick stellt, haben die beiden quasi alle Optionen offen. Entweder sie spielen ein Pick and Pop und Washington nimmt den Dreier. Switcht die Defense jedoch, so attackiert Graham den Korb. Wenn Washington abrollt, hat er meist den schnelleren ersten Schritt, als andere Power Forwards und Graham (7,5 APS) findet seinen Big stets.

Das es für beide so gut läuft, hat aber auch mit Coach Borrego und dem Umfeld zu tun, denn Borrego lässt seine Jungstars starten und auch in kritischen Momenten auf dem Feld, er wird selten laut und anders als beispielsweise Jim Boylen, überlegt er sich nicht jeden Tag eine neue Kuriosität um seine Spieler zu verunsichern. So landet Washington bei Punkten und Assists unter den besten sieben Rookies und im Rebounding führt er die Klasse sogar an. Was einmal mehr zeigt, wie unermüdlich er ackert und wie sehr er Rebounding liebt, denn mit 2,01m ist er eher ein kleinerer Spieler und würde lediglich in einem Rockets Lineup als Big Man durchgehen. Zwar mag er bereits 21 Jahre alt sein, doch wer behauptet denn, dass man mit 21 sein Potential bereits voll ausgeschöpft hat. Charlotte scheint mit ihm alles richtig gemacht zu haben, denn anstatt auf einen Spieler mit womöglich höherem Ceiling zu gehen, hat man sich für einen NBA-fertigen Spieler entschieden, der diese Entscheidung mit Leistungen rechtfertigt. Doch bei all dem Lob, muss auch Washington noch an sich und seinem Spiel arbeiten. Seine Defense ist okay, doch mehr Muskelmasse würde es ihm erleichtern seine Gegner in der Verteilung besser bearbeiten zu können. Auch ist seine Assist-Turnover-Ratio mit 1/0,75 nicht berühmt. Er muss den Ball hier besser beschützen und unnötige Pässe vermeiden.
Aus Washington wird vielleicht niemals ein All-Star, doch sollte jedes Team Spieler wie ihn haben wollen. Ein solider Starter, der seinem Team von allem etwas gibt. Ein Spieler der von Zeit zu Zeit heißläuft und somit als dritte oder gar zweite Option seines Teams eingesetzt werden kann. Doch es sollte keinen mehr verwundern, wenn Bleacher Report ihn an Nummer vier rankt.

Veröffentlicht von Leon Göhl

Ich bin Student an der HS Pforzheim und betreibe nebenbei einen Basketball Blog, wie Podcast.

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